BlogSparsamkeit

Wochenenddienstreisen

In der Wirtschaftskrise setzten Privatunternehmen den Rotstift vehement bei Dienstreisen an. Neue technische Alternativen wurden zu Recht vermehrt genützt. Und in der öffentlichen Verwaltung? Die Beamten der zwei EU-Agenturen im griechischen Thessaloniki zum Beispiel, benötigen aufgrund der schlechten Fluganbindung für ein Meeting in Brüssel um zwölf Uhr Mittag “drei Arbeitstage”, reklamierte Aviana Bulgarelli, die Agentur-Direktorin. Das ist kein Einzelfall. Hinzu kommt, dass nicht wenige EU-Beamten an attraktiven Dienstreiseorten ihre Termine so vereinbaren, dass sich noch ein angenehmes Urlaubswochenende einschieben lässt.

Die Notwendigkeit einer effizienten und sparsamen Dienstreiseplanung ist bis Brüssel noch nicht vorgedrungen. Es ist gängige Praxis, dass EU-Mitarbeiter die Genehmigung erhalten, “aus persönlichen Gründen zusätzliche Tage am Ort der Dienstreise zu verbringen”, wie aus einer parlamentarischen Anfrage hervorgeht. Sie erhalten dafür zwar keine Tagegelder oder Hotelkosten, doch häufig sind diese Dienstreisen nicht notwendig und entstanden aus einer fragwürdigen Motivation heraus.

Bei der EU-Kommission belief sich die Anzahl der Dienstreisen, “die an Wochenenden” fielen, auf 19.424. Darunter fallen sowohl Dienstreisen, die ein ganzes Wochenende einschlossen, als auch Hin- oder Rückreisen an einem Samstag oder Sonntag. In Tagen beträgt die Gesamtdauer dieser Dienstreisen 121.354 Tage (41,6 %), bezogen auf insgesamt 291.933 Dienstreisetage im Jahr 2008. Die Gesamtkosten dieser Wochenenddienstreisen für Beförderung und Aufenthalt beliefen sich auf 36,1 Millionen Euro (45,1 %) im Jahr 2008, beinahe die Hälfte der 80,1 Millionen Gesamtkosten. Wochenenddienstreisen sind somit im Schnitt auch teurer als normale Dienstreisen. Den Rotstift bitte.