Tag-Archiv für: Budget

Ent(Be)lastungsprozess

0

Einmal jährlich kontrolliert der Haushaltskontrollausschuss die Finanzen des EU-Parlaments im Zuge des Entlastungsverfahrens. Die Arbeit des Generalsekretärs und seiner Beamten soll kritisch geprüft werden. Diese Woche fand die Abstimmung im Ausschuss über den Entlastungsberichtsentwurf des grünen EU-Abgeordneten Bart Staes statt. Der Belgier ist heuer Berichterstatter. Doch es zeigte sich wieder einmal, dass es für kritische Kontrolle keine Mehrheit im EU-Parlament gibt. Über 30 kritische Passagen wurden von der rot-schwarzen “Koalition” einfach weg gestimmt. Am Schluss war der Bericht dermaßen unkenntlich, sodass selbst der Berichterstatter sich bei der Endabstimmung enthalten hat. “Mein Baby wurde noch vor der Geburt abgetrieben”, meinte er resignierend.


Alle anderen Fraktionen äußerten sich ebenfalls sehr kritisch gegenüber der Vorgangsweise der rot-schwarzen Einheit. Der linke EU-Abgeordnete Søren Bo Søndergaard aus Dänemark sprach sogar von einer “Entführung des Parlaments.” Federführend bei der Berichtsverstümmelung war die deutsche EVP-Abgeordnete Ingeborg Grässle. In über 40 Änderungsanträgen forderte sie das Löschen von konkreten Passagen. Großteils erfolgreich. Zugute kam es Klaus Welle, dem Generalsekretär des EU-Parlaments. Der oberste EU-Beamte im Hause ist zufälligerweise auch ein deutscher Christdemokrat und sogar ehemaliger Generalsekretär der Europäischen Volkspartei. Die Gerüchte, wonach dieser selbst an den Änderungsanträgen mitbeteiligt war, machen nun die Runde. Haushaltskontrolle à la Großkoalition.


Als Argument führte Ingeborg Grässle an, dass es doch schon viele Verbesserungen gäbe; Kritik sei somit nicht mehr angebracht. Damit hat sie nicht ganz Unrecht. Es gibt einige Verbesserungen, doch diese sind das Resultat von kritischen Köpfen die permanent die Finger in die Wunden legen. Zu tun gibt es noch genug. Darum brachten auch wir viele Änderungsanträge ein. Unter anderem sieben zum dubiosen Vergabeverfahren rund um die beiden Parlamentsgebäude D4 und D5 – großkoalitionär benannt nach Willy Brandt und József Antall. Was passierte damit? Richtig. Abgelehnt von Rot-Schwarz. Bei der Abstimmung im Plenum gibt es einen neuen Anlauf. Dann mit namentlicher Abstimmung, damit wirklich ersichtlich ist welcher EU-Abgeordnete seine Arbeit ernst nimmt und wer nicht.

Hahn-Hearing: “Europas Probleme sind zu komplex für die eintönige Schönwetterrhetorik des rot-schwarzen Proporzkandidaten”

0

Beim heutigen Hearing des designierten EU-Kommissars Johannes Hahn im Ausschuss für Regionale Entwicklung des EU-Parlaments, bestätigte sich leider die weit verbreitete Meinung über den ehemaligen Wissenschaftsminister.


“Die Tatsache, dass zwischen der Nominierung Hahns und der Ressortzuteilung vier Wochen lagen, zeigt, dass nicht nach fachlichen Kriterien ausgewählt wurde. Beim heutigen Hearing wurde dies bestätigt. Europas Probleme sind zu komplex für die eintönige Schönwetterrhetorik des rot-schwarzen Proporzkandidaten”, so der unabhängige EU-Abgeordnete Martin Ehrenhauser.


„Hahn konnte nicht detailliert darlegen, wie er das Problem der etwa vier Milliarden Euro nicht rechtmäßig ausbezahlter Fördergelder in seinem Ressort lösen möchte. Sein Vorhaben, sich zurückzulehnen und die Ergebnisse der vergangenen Reformen abzuwarten, ist absurd. Der Proporzkandidat Hahn hat seit Monaten seine Hausaufgaben nicht gemacht”, so Ehrenhauser weiter.


Ehrenhauser kritisierte auch den Abstimmungsmodus: “Wir würden uns wünschen,  dass das EU-Parlament über die einzelnen Kommissare abstimmt. So müssten ‚internationale Hochseekapitäne’ wie Joaquín Almunia und ‚Neusiedlerseematrosen’ wie Johannes Hahn nicht in einen Topf geworfen werden. Die Demokratie und die einzigartige Vielfalt Europas könnte damit gestärkt werden. So jedoch, ist es für uns unmöglich für diese EU-Kommission zu stimmen.”

EU-Rechnungshofbericht: Rückzahlung von 4 Milliarden Euro ungewiss

0

Fehlender transparenter Überblick über Rückzahlung


EU-Rechnungshofpräsident Victor Manuel da Silva Caldeira stellte heute den Mitgliedern im Haushaltskontrollausschuss des Europäischen Parlaments den Jahresbericht für 2008 vor. Er bestätigte in der Aussprache nochmals, dass mindestens 11 Prozent der 36,6 Milliarden Euro im Themenbereich Kohäsion nicht ausbezahlt werden hätten dürfen.


Der unabhängige EU-Abgeordnete Martin Ehrenhauser dazu: “Die eigentliche Schande ist die mangelnde Bereitschaft der Verantwortlichen, die unrechtmäßig ausbezahlten 4 Milliarden Euro wieder einzuziehen. Denn bisher galt die Regel, wer von der EU illegitime Gelder bekommen hat, hat eine große Chance diese zu behalten”, so das Mitglied des Haushaltskontrollausschusses in Anspielung darauf, dass beispielsweise im Agrarfond nur ein Bruchteil der Gelder wiedereingezogen wird.


“Es fehlt derzeit an einem transparenten statistischen Überblick darüber, welche Gelder eingezogen hätten werden sollen und welche Gelder tatsächlich wiedereingezogen wurden. Diese Tatsache zeigt auch das mangelnde Problembewusstsein in der Bürokratie,” kritisiert Ehrenhauser.  “Die Steuerzahler haben ein Recht auf die Rückzahlung der Gelder und dafür werden wir uns einsetzen”, schließt Ehrenhauser.


EU-Rechnungshofbericht: “Mindestens” 4 Mrd. Euro an Zahlungen “hätten nicht ausbezahlt werden dürfen”

0

“Mindestens” 11 Prozent der 36,6 Mrd. Euro im Themenbereich Kohäsion “hätten nicht ausbezahlt werden dürfen” / “Schwerwiegende Verstöße gegen die Auftragsvergabevorschriften” / Schwieriger Spagat zwischen schärferen Kontrollsystemen und weniger Bürokratie notwendig


Der EU-Rechnungshof übergab heute um 9.00 Uhr seinen Jahresbericht für 2008 an EU-Parlamentspräsident Jerzy Busek. Ein besonders vernichtendes Zeugnis stellte die Luxemburger Institution dem Themenbereich Kohäsion aus, auf den mit 36,6 Mrd. Euro beinahe ein Drittel des EU-Haushalts entfallen.


Wörtlich heißt in dem Bericht, dass nach Schätzungen des Hofes “mindestens 11 % des Gesamtbetrages der Erstattungszahlungen nicht geleistet werden hätten dürfen.” “Für eine große Zahl von Projekten wurden überhöhte Erstattungen geleistet”, auch stellte der Hof “schwerwiegende Verstöße gegen die Auftragsvergabevorschriften und Einbeziehung von Kosten, die nicht erstattungsfähig waren” fest.


Als Beispiel erwähnte der Rechungshof unter anderem einen Bau von drei Druckausgleichstürmen an einer Wasserleitung zur Verteilung des Wassers eines örtlichen Stausees. Der Stausee wurde aber nie mit Wasser gefüllt und die Wasserleitungen nie in Betrieb genommen, trotzdem wurden bei der EU-Kommission Ausgaben in Höhe von 5,7 Millionen Euro geltend gemacht.


Der unabhängige EU-Abgeordnete Martin Ehrenhauser dazu: “Auch wenn es im Vergleich zum Vorjahr scheinbar leichte Verbesserungen gegeben hat, sind die Missstände in vielen Bereichen weiterhin inakzeptabel. Der EU-Rechnungshofbericht kratzt oftmals nur mutlos an der Oberfläche. In Zukunft gilt es konsequent den schwierigen Spagat zwischen schärferen Kontrollsystemen und Eindämmung der wachsenden Regelflut zu beschreiten.”


Bei diesen Summen ist es auch nicht erstaunlich, dass die EU-Kommission vorbei an den eigenen Kontrollsystemen und ohne im Nachhinein den Fehler selbst zu entdecken, versehentlich 365 000 Euro Gehalt an 118 Mitarbeitern auszahlte, obwohl diese nicht mehr für die Kommission tätig waren.


Ab 9.30 Uhr wird der Rechnungshofbericht im Haushaltskontrollausschuss mit Rechnungshofpräsident Victor Manuel da Silva Caldeira debattiert.

Bittsteller

4

“Das Ratsbudget ist ein schwarzes Loch”, erklärte die konservative Deutsche Ingeborg Grässle gestern im Haushaltskontrollausschuss. Damit hat sie Recht. Doch bisher prüfte das EU-Parlament nur pro forma das jährliche Ratsbudget. Im Frühjahr kam jedoch Schwung in die Debatte. Erstmals versuchte das EU-Parlament Zähne zu zeigen und erteilte dem Rat keine Entlastung.



Geheime Schattenkonten hatte der dänische Berichterstatter Søren Bo Søndergaard entdeckte. Daraufhin wurde der Rat vom Parlament aufgefordert diese unverzüglich und komplett zu schließen. Doch bis heute wurde nichts unternommen. Das Parlament weiß nicht einmal, ob der Rat beabsichtigt diese “extra-budgetären Konten” überhaupt zu schließen. Die Ratsvertreter verweigerten sogar jegliches formale Treffen mit dem EU-Parlament und sogar die Übermittelung des jährlichen Tätigkeitsberichts.



Und weil der Rat die Forderungen ignorierte, wurden sie unter Zustimmung der herkömmlichen Parteien einfach zu Bitten im neuen Bericht umformuliert. Auch wenn Frau Grässle nichts von einem bettelndem EU-Parlament gegenüber seinem “mittelalterlichen Gutsherren” hält, stimmten bis auf mich und eine zweite Gegenstimmen heute alle für die Ratsentlastung. In der realpolitischen EU-Machtkonstellation ist das Parlament als Haushaltskontrollbehörde eben nur Bittsteller und die EU-Abgeordneten tun viel dafür dass dies so bleibt.

Luxus-Sozialhilfe für EU-Kommissare

0

Ex-Kommissare können mit bis zu 13.000 Euro monatlich auf Urlaub gehen / Hahn und Ferrero-Waldner sollen freiwillig verzichten


Der unabhängige Abgeordnete Martin Ehrenhauser kritisiert die Luxus-Sozialhilfe für ehemalige EU-Kommissare. Mitglieder der Europäischen Kommission erhalten bis zu 13.000 Euro nach Beendigung ihrer Tätigkeit für weitere 36 Monate. “Anscheinend ist die EU-Elite am Arbeitsmarkt schwer vermittelbar. Trotzdem, diese Regelung ist unsozial und gehört abgeschafft”, fordert Ehrenhauser. Drei Urlaubsjahre auf Kosten der Steuerzahler “sind vor den Bürgern nicht zu vertreten”.


Zusätzlich zu einem monatlichen Grundgehalt von beinahe 20.000 Euro kommen noch Privilegien wie die Erstattung von Einrichtungs- und Umzugskosten. “Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise gleiten tausende Menschen in die Arbeitslosigkeit ab”, vergleicht Ehrenhauser die Situation mit Arbeitern und Angestellten. Solche Regelungen stoßen daher zu Recht auf völliges Unverständnis bei den Bürgern. “Frau Ferrero-Waldner und Herr Hahn sollten ein Zeichen setzen und auf ihren Anspruch auf Luxus-Sozialhilfe freiwillig verzichten.”


Besonders kritisiert Ehrenhauser, dass selbst Kurzzeitkommissare, die während einer Amtsperiode als Ersatz einspringen, diese Privilegien erwerben. Laut einem Beitrag der Nachrichtensendung “ATV Aktuell” erhält der belgische liberale Karel de Gucht für wenige Monate Tätigkeit nach seinem Ausscheiden weitere 36 Monate mehr als 7.000 Euro monatlich. “Übergangsjobs mit derartigen Sonderprivilegien zu versehen, zeigt wie realitätsfremd und abgehoben das EU-Establishment agiert”, schließt der österreichische EU-Abgeordnete und kündigt mehrere Parlamentarische Anfragen zu diesem Thema an.

Liste Martin: 100 (!) Änderungsanträge zum EU-Budget 2010

1

Paukenschlag zur Veränderung des EU-Budgets / Mehr als eine Milliarde Euro ist locker einzusparen, allein 136 Millionen bei unnötigen Dienstreisen, Sitzungen und Imbissen / Senkung des Nettozahlerbeitrags und Umschichtungen in den Fonds für Globalisierungsopfer gefordert


Die unabhängigen EU-Abgeordneten Hans-Peter Martin und Martin Ehrenhauser haben im Europäischen Parlament 100 Änderungsanträge zum EU-Budget eingebracht. Damit folgen sie einem zentralen Wahlversprechen der „Liste Martin“, sich für EU-Einsparungen zugunsten der Steuerzahler und Umschichtungen zugunsten von Opfern der Wirtschaftskrise einzusetzen.

 

„Martin und Martin“ haben in den EU-Haushaltslinien allein 136,27 Millionen Euro geortet, die für überflüssige Imbisse, Sitzungen und offensichtlich verzichtbare Dienstreisen von EU-Beamten aufgewendet werden.

 

Ganz locker ließen sich so erste Einsparungen von mehr als einer Milliarde Euro im EU-Budget von insgesamt 133 Milliarden Euro erzielen, argumentieren die beiden Abgeordneten. Und das ist der Anfang, so Martin und Martin.

 

Hans-Peter Martin will im Gegenzug dem bereits bestehenden Fonds für Globalierungsopfer 300 Millionen Euro zusätzlich zukommen lassen, Martin Ehrenhauser fordert Finanzmittel für soziale Zwecke und den internationalen Austausch von Lehrlingen und Auszubildenden, um sie besser zu qualifizieren. Ehrenhauser dringt als Nachfolger von Hans-Peter Martin im Haushaltskontrollausschuss auch auf eine grundlegende Reform der sogenannten „Agenturen“, die ein Milliardenbudget verschlingen.

 

Martin Ehrenhauser: „Jetzt werden bei der Abstimmung im Budgetausschuss die anderen Fraktionen Farbe zeigen müssen, ob auch sie für sinnvolle Einsparungen im EU-Budget bei gleichzeitiger Aufstockung jener Mittel eintreten, welche Arbeitnehmern zugute kommen, die durch die Wirtschaftskrise unverschuldet in Not geraten sind.“

 

Sie müssen Sich einloggen um abzustimmen

Sie müssen eingeloggt sein um abzustimmen.

Wenn Sie noch keinen Zugang haben können Sie hier einen erstellen.