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“Nestbeschmutzer”

Das Zeitalter der Aufklärung liegt bekanntlich lange zurück. Dem Modell der offenen Gesellschaft entfernen wir uns zunehmend. Denn politische Schulbildung im Sinne der Aufklärung existiert nur noch in Fragmenten. Ein Beispiel gefällig?

Die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht Themenblätter für den Schulunterricht. Die Aufgabe der Bundeszentrale ist es dabei, “das Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern” und “das demokratische Bewusstsein zu festigen”. Wie, das zeigt das Arbeitsblatt B, mit der Karikatur des echten EU-Kritikers.

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Dieser ist gleichzustellen mit dem EU-Gegner. Beide sind Erzfeinde des friedlichen Europas. Geprägt von anarchistischer Natur gleicht er einem gewalttätigen Rowdy, der nicht auf den wissenden Herrn in nobler Toilette und mit erhoben Zeigefinger hört. Noch im besten Fall wirft der Kritiker mit Abfall auf leblose Gegenstände.

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Lehrerblatt 03 begleitet den Lehrer durch die Aufgabenstellung. Dort ist das wahre Problem auch rasch den Schülern erklärt: “Ihnen (den Kritikern) ist nicht mehr bewusst, dass das EU-Gründungsziel, den Frieden unter den Mitgliedstaaten zu erhalten, souverän erfüllt wird”, so die Analyse. Auch der knackige Titel ist schnell gefunden und erinnert an die Rhetorik der 30er Jahre: “Nestbeschmutzer”.

Diese Aufgabenstellung ist wohl ein Spiegelbild der derzeitigen Debatte über die EU und den Umgang mit ihrer Opposition. Kritiker werden in einen Topf geworfen mit EU-Gegnern. Deren Argumente negiert und Problemstellungen wie das EU-Demokratiedefizit nicht debattiert. In dieser Realität brüllt der Rowdy: Sapere aude!