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MEP-Verhaltenskodex

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Nachdem Journalisten der „Sunday Times“ mit dem Fall Ernst Strasser für europaweite Schlagzeilen sorgten, beschloss das EU-Parlament eine Arbeitsgruppe einzurichten, die einen Verhaltenskodex für Europaabgeordnete ausarbeitet. Der erste Entwurf wurde nun finalisiert. In seiner derzeitigen Form ist er sicherlich ein Sprung vorwärts, jedoch ohne Anlauf. Er kann nur die Basis für weitere Verbesserungen bilden. Positiv ist, es gibt endlich eine Definition für einen Interessenskonflikt in Zusammenhang mit Sanktionen. Der Interpretationsspielraum ist jedoch groß. Daher kommt dem Interpretations- und Sanktionsprozess eine besondere Bedeutung zu. Zuständig dafür ist eigentlich das sogenannte „Advisory Committe“ (AC). In der derzeitigen Form ist es jedoch keine unabhängige Kontrollinstanz, sondern ein Sekretariat des Parlamentspräsidenten.


Denn erstens kann lediglich der Parlamentspräsident einen potenziellen Interessenskonflikt zur Untersuchung an das AC übermitteln. Weder das AC selbst, noch andere Mitglieder, können eine solche Untersuchung einleiten lassen.

Zweitens, sollte das AC einen Verstoß gegen den Verhaltenskodex bestätigt, wird eine Empfehlung an den Präsidenten übermittelt. Er alleine entscheidet wiederum über mögliche Sanktionen. Auch ob das AC im Konsens oder per Mehrheit entscheidet ist nicht definiert.

Drittens, der Präsident benennt auch die Mitglieder. Das sind wiederum EU-Abgeordneten anstatt unabhängigen Experten. Neue Interessenskonflikte sind vorprogrammiert. Da es nur fünf Mitglieder gibt, sind auch nicht alle Fraktionen vertreten. Politisch motivierte Entscheidungen zu Lasten von nicht repräsentierten Fraktionsmitglieder oder fraktionsfreien Abgeordneten anstatt objektive Empfehlung werden dadurch erleichtert – speziell wenn der Interpretationsspielraum derart groß ist.


Die Erneuerungen in Bezug auf die „Finanzielle Erklärung“ der Abgeordneten, sprich die Angaben seiner Tätigkeiten und Funktionen vor Beginn und während der Mandatszeit, die Angaben über Firmenbeteiligungen sowie über die Höhe der Einkommen ist zu begrüßen. Warum weitere Einkommenskategorien über der 10.000 Euro Schwelle nicht existieren, ergibt jedoch keinen Sinn und sollte nachgebessert werden. Als gelernter Österreicher weiß man, dass hohe Beraterverträge keine Seltenheit sind. Schlupflöcher bilden Stiftungen, diese müssen nicht angegeben werden, lediglich eine Funktion z.B. im Vorstand der Stiftung. Auch die Angaben über die Höhe der zusätzlichen Einkünfte könnten umgangen werden. Die Rolle von Stiftungen und Treuhänder muss daher präzisiert werden.


Was definitiv fehlt ist eine „Cooling-Off-Periode“ für EU-Abgeordnete. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, sollten neue berufliche Tätigkeiten von ehemaligen EU-Abgeordneten mindestens bis ein Jahr nach Ende der Legislaturperiode einer Genehmigungspflicht unterliegen. Dies sollte generell auch für bezahlte Nebentätigkeiten während der Mandatszeit gelten. Darüber hinaus fehlt ein verpflichtender „Legislativen Footprint“ für alle EU-Abgeordneten. Dieser müsste auf der Abgeordnetenprofilseite auf der Internetseite des Europäischen Parlaments veröffentlicht werden, gemeinsam mit allen seinen Änderungsanträgen.


Kommende Woche wird nochmals die Konferenz der Präsidenten über den Entwurf der Arbeitsgruppe beraten. Danach wird er an den AFCO-Ausschuss übermittelt. Vor der Sommerpause wird eventuell noch ein Berichterstatter nominiert. Nach Abstimmung im Ausschuss und danach im Plenum, soll der Verhaltenskodex Anfang Jänner, mit Beginn der neuen Parlamentspräsidentschaft, in Kraft treten, vermutlich unter dem neu gewählten Parlamentspräsidenten Martin Schulz. Es besteht die berechtigte Gefahr, dass der Verhaltenskodex im Ausschuss und später im Plenum weiter abgeschwächt wird. Wir werden jedenfalls für Nachbesserungen eintreten.


Die Presse: Lobby-Kontakte: Abgeordnete dürfen sie verschweigen, 5. Juni 2011.

Unvereinbarkeitsgrenzen

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Bei Ernst Strasser ging es um Geld für Änderungsanträge. Und beim ÖVP-EU-Abgeordneten Paul Rübig? Der Oberösterreicher bekommt Entgelt für seine Nebentätigkeit bei der Wirtschaftskammer (WKO). Die WKO sponsert darüber hinaus einen parlamentarischen Mitarbeiter in seinem Büro. Und, ja genau, Paul Rübig reicht Änderungsanträge ein und die Wirtschaftskammer definiert sie auf ihrer Internetseite als ihre eigenen. Eine Vorgangsweise, die im dunklen österreichischen Nationalrat auf der Tagesordnung steht. Gemessen jedoch an fortschrittlichen internationalen Standards, wird der Bereich von potenziellen Interessenskonflikten bis weit an die Grenze zur Unvereinbarkeit ausgedehnt. Doch damit nicht genug.


Rübig ist Mitglied im Energieausschuss des EU-Parlaments. „Österreichs E-Wirtschaft“, die laut Selbstbeschreibung „Brancheninteressen gegenüber Politik“ durch „aktive, präsente und schlagkräftige Lobbying-Arbeit“ vertritt, finanziert einen parlamentarischen Mitarbeiter im Büro Rübig. Darüber hinaus hat sein von ihm gegründetes Unternehmen „Probig“ auch Kunden aus der Energiewirtschaft, zum Beispiel die OMV. In seiner politischen Arbeit stellt er dann parlamentarische Anfragen in Bezug auf die negativen Auswirkung durch die umweltgerechte Gestaltung von energiebetriebenen Produkten, nimmt bei Dinner-Debatten teil, gesponsert von AREVA, dem Weltmarktführer in Nukleartechnik, und unterstützt das OMV-Projekt Nabucco. Ein solches Engagement verlangt natürlich zurückhaltenden Pragmatismus beim Thema Energiewende: Die „Politik der kleinen Schritte habe sich bewährt, „ein Sprung in die falsche Richtung könne dagegen in die Katastrophe führen, so Rübig.


Die Vermengung von Kunden- und Lobbyinteressen mit politischer Arbeit ist im Fall Rübig naheliegend. Doch damit ist er nicht alleine. „Corporate Europe Observatory“ hat die Nebentätigkeiten weiterer EU-Abgeordneten durchleuchtet. Das Ergebnis: Rund 35 Prozent haben einen Zweitjob oder zusätzliche Einnahmequellen. 14 Prozent der untersuchten Fälle haben das „Potenzial“ für einen handfesten „Interessenskonflikt“. Besonders hervorgehoben wurde dabei auch Paul Rübig. Eine Arbeitsgruppe des EU-Parlaments erarbeitet derzeit einen „Code of Conduct“ für EU-Abgeordnete. Eine Reaktion auf den Fall Strasser und Co. Wichtig wäre eine Genehmigungspflicht für Nebentätigkeiten und volle Transparenz. Sprich, die Höhe der Einkommen, die Herkunft und die dafür erbrachte Leistung müssen genau deklariert werden. Auf die Ergebnisse, die herauskommen wenn sich EU-Abgeordnete selbst regulieren, darf man gespannt sein.


Pöttering-Denkmal

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Das EU-Parlament arbeitet derzeit fleißig an einem Denkmal für seinen Ex-Präsidenten Hans-Gert Pöttering – an einem Museum der Europäischen Geschichte. Der Deutsche hatte das Projekt 2007 lanciert. Im Park Leopold, keine drei Gehminuten vom Brüssler EU-Parlament, soll es 2014 eröffnet werden. Symbolische 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Der Umbau des Eastman-Gebäudes kostet rund 52,40 Millionen Euro. Die jährlichen Betriebskosten des Museums werden 13,45 Millionen betragen. Die pauschal bezahlten Zinsen für den bis ins Jahr 2107 laufenden Erbpachtvertrag summieren sich auf 18,5 Millionen Euro. Das alles zahlt der Steuerzahler und die Kosten belasten unnötig den Parlaments-Haushalt. Die Stadt Brüssel zahlt keinen Cent – sie verdient daran.


Rund 70 Mitarbeiter wird das Museum in Zukunft benötigen. 14 Personen arbeiten bereits in der Generaldirektion für Kommunikation am Museumskonzept. Trotz des hohen Aufwands fiel die Projektzusage ohne vorliegenden Geschäftsplan. Dieser wurde erst danach eingefordert. Klar ist jedoch, dass der Geldfluss einseitig verläuft. Große Einnahmequellen existieren nicht. Eintrittsgelder sind nicht vorgesehen, bleiben lediglich die Verpachtung des Kiosks und der Kantine. Und da in absehbarer Zeit weitere Kosten, wie etwa für Parkplätze, anfallen werden, trifft es sich gut, dass der Vorsitzende des Budgetausschusses, Pötterings Fraktionskollege Alain Lamassoure, im Verwaltungsrat des Museums sitzt. Ob dieser im Zweifelsfall die Interessen der Steuerzahler oder die des Museums vertritt, ist zumindest fragwürdig.


Ein Mitglied des Haushaltskontrollausschusses wäre besser für diese Funktion geeignet gewesen. Denn von einem Projekt mit Strahlkraft über ganz Europa kann man nicht sprechen. Kostenminimierung muss daher oberste Priorität haben. Das Museum ist lediglich eine Erweiterung des touristischen Angebots des EU-Parlaments in Brüssel. Oder wie Frank Furedi, Professor der Soziologie an der Universität Kent es nannte: Es ist ein „Museum des kleinsten gemeinsamen Nenners“. Nur wieso muss der kleinste gemeinsame Nenner immer so farblos und teuer sein?


Krone: EU-Bürokraten lassen Museum um 52 Millionen Euro bauen!, 6. Mai 2011.

PNR-Gesprächsabbruch

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Die EU verhandelt derzeit mit den USA über die Übermittlung von Fluggastdaten. Diese sogenannten PNR-Daten (Passenger Name Record) werden von Airlines gesammelt und gespeichert, um den Service für die Fluggäste zu erhöhen. Wollen europäische Airlines den US-Luftraum nun anfliegen, werden diese von der US-Regierung gezwungen, die Daten (Kreditkarteninformationen, Anschrift, Vorlieben bei Boardverpflegung, etc.) an das Department of Homeland Security zu übermitteln. Ein bislang zwischen der EU und den USA abgeschlossenes Abkommen gilt nur vorläufig. Damals durfte das EU-Parlament nicht mitstimmen. Nun hat es Mitspracherecht.


Und hier im Hause gibt es einige kritische Köpfe, die sich gegen den Generalverdacht und Massendatentransfer aussprechen. Auch war unsere Enthüllung des „SWIFT-Datenlecks“ für viele in den EU-Institutionen eine Lektion in Sachen Datenschutz. Das alles verursachte Druck und zeigt nun Wirkung. Denn die stets gut informierte „Financial Times Deutschland“ berichtet in der heutigen Ausgabe, dass EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström eine für den 8. April angesetzte Verhandlungsrunde mit den USA abgesagt hat. Der Grund: Die USA weigern sich kategorisch auf die datenschutzrechtlichen Forderungen einzugehen. Im Gegenteil, die Amerikaner dringen auf noch größere Befugnisse, zum Beispiel auf die Verlängerung der Speicherdauer von 15 auf 22 Jahren.


Die Gesprächsabsage ist ein Hinweis darauf, dass die EU-Kommission zumindest gewillt ist, eine stärkere Position einzunehmen als bei den letzten PNR-Verhandlungen. Das ist auch dringend notwendig. Denn das derzeitige Abkommen ist schlicht inakzeptabel. Neben dem verdachtsunabhängigen Massendatentransfer und der jahrelangen Speicherdauer, gibt es für die europäischen Bürger kaum rechtliche Möglichkeiten, falsch eingetragene Daten richtigstellen zu lassen. Angeblich droht die USA ihrerseits mit stundenlangen Befragungen von Bürgern bei Einreise, sollte die derzeitige Verhandlung nicht zu einem positiven Abschluss im Sinne der USA kommen. Ein Nonsens-Argument, denn könnten derartige Befragungen nur mit einem massiven Personalaufwand betrieben werden. Hinzu kommt, dass die bereits übermittelten APIS-Daten ausreichen, um Sicherheit zu gewähren. Essenswünsche im Flugzeug haben noch keinen Terroristen überführt.


Business-Class-Parlament

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Heute sind meine Kollegen im EU-Parlament über jede Kritik an den Abgeordneten-Zulagen im Eiltempo hinweggeflogen. Änderungsantrag drei, zur Abschaffung der Bussiness-Class-Flüge für EU-Abgeordneten bei Reisen unter vier Stunden, wurde mit großer Mehrheit (+ 216, – 402, o 35) zum Absturz gebracht. Auch die Idee, die Abgeordnetenvergütung zu überarbeiten, “damit es an Reisetagen nicht zu einer Kumulierung des Tagegeldes und der Zeitaufwandsentschädigung kommt”, wurde (+ 151, – 405, o 106) in die Wüste geschickt. Hier das Abstimmungsergebnis der einzelnen Abgeordneten.


Abgestimmt wurde heute auch über neue Regeln für die europäischen Parteien. Diese erhalten derzeit direkt oder indirekt rund 77 Millionen Euro jährlich aus dem EU-Budget. Seit Beginn der europäischen Parteienfinanzierung 2003 hat sich dieser Förderbetrag verdreifacht. Die europäischen Parteien und Stiftungen agieren dabei in einem durchwegs rechts- und kontrollfreien Raum. Das Gute an diesem Bericht ist daher: Man möchte einen verbesserten Rechtsrahmen schaffen durch die Annahme eines europäischen Statuts. Die Kritik daran: Über die Hintertür wollen die Parteien leichter an mehr Geld gelangen.


Denn zuerst beschwert man sich im Bericht, dass “die Vergabe von Fördermitteln und der Rechnungsabschluss der europäischen Parteien und Stiftungen bürokratische und aufwendige Verfahren darstellen” und beschließt gleichzeitig, dass die “Erhöhung der Spendenobergrenze von 12.000 Euro pro Jahr auf 25.000 Euro pro Jahr/pro Spender gefördert werden sollte”. Obwohl die Spender bekannt gegeben werden müssen, konnte sich das EU-Parlament jedoch nicht auf Sanktionen beim Verstoß gegen die Offenlegungspflicht einigen. Conclusio: Nichts gelernt aus dem Korruptionsskandal-Strasser. Hier das Abstimmungsergebnis der einzelnen Abgeordneten.


Krone: Teurer EU-Propaganda Sender

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Reine Brüsseler Propaganda – und sonst nichts! Das bekommt zu sehen, wer den Fernsehsender des EU-Parlaments einschaltet. “Reine Selbstbeweihräucherung ist das – und EU Propaganda in eigener Sache.”, kritisiert Martin Ehrenhauser.


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SchönwetterTV

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Damit das EU-Parlament auch in Zeiten atomarer Katastrophen und stürmischen Lobbying-Skandalen schön strahlt, werden über 700 EU-Beamte in der Generaldirektion “Kommunikation” beschäftigt. Jährlichen stehen alleine dieser Parlaments-Abteilung beinahe 80 Millionen Euro zur Verfügung. Bereits im Zuge des EU-Wahlkampfs 2009 wurden 5,7 Millionen Euro in Wahlwerbung investiert. Die Wahlbeteiligung fiel trotzdem auf 43,2 Prozent. Ein erschreckendes Ergebnis, das die Unzufriedenheit der Bürger über die inhaltliche EU-Politik spiegelt. Die oftmals von Politikern gebrauchte Standardausrede über schlechte Kommunikationspolitik greift nicht mehr. Sinnvolle Einsparungen sind möglich. Zum Beispiel bei EuroparlTV.


Der gut gemeinte, jedoch schlecht ausgeführte Schönwetterkanal des EU-Parlaments, startete seinen Sendebetrieb am 17. September 2008. Anfänglich wollte man sich mit nationalen Politsendern wie BBC Parliament oder Phönix messen. Damit ist man allerdings völlig gescheitert. Im Jahr 2010 hatte EuroparlTV durchschnittlich 21.240 Unique Visitors pro Monat, gerade einmal 0,004 Prozent der potentiellen Zuseher. Besonders pikant: Die EU hatte selbst zuletzt von angeblichen 15,6 Millionen Zusehern gesprochen. Dabei kostet der EU-Schönwettersender den Steuerzahlern neun Millionen Euro im Jahr, oder umgerechnet mehr als 35 Euro monatlich für jeden einzelnen Besucher.


Der Haushaltskontrollausschuss hat das Problem bereits erkannt. Gestern wurde über den Entlastungsbericht abgestimmt. Darin heißt es: Das Projekt kann “nicht gerade als Erfolgsgeschichte betrachtet werden.” Man forderte daher eine Kosten-Nutzen-Untersuchung, um Einsparungen in diesem Bereich vorzunehmen. Besonders frech: Ein Änderungsantrag der Liberalen verlangte einen Aktionsplan bis Ende 2011 mit dem Ziel der Kürzung des Zuschusses um mindestens die Hälfte. Über den Antrag musste aufgrund von formalen Tricks nicht einmal abgestimmt werden. Eine Richtungsentscheidung über die Zukunft des Senders gibt es damit wieder nicht, weder in die eine, noch in die andere Richtung.


Finanztransaktionssteuer

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James Carville, Bill Clintons Wahlkampfmanager, sagte einmal: „Früher habe ich gedacht, wenn es eine Wiedergeburt gäbe, würde ich gerne als Präsident oder als Papst wiederkommen. Heute weiß ich, dass ich am liebsten der Finanzmarkt wäre: Dann kannst Du jeden einschüchtern.“ Von reinem Einschüchtern kann jedoch nicht mehr die Rede sein. Die internationalen Finanzmarkte haben nationalen Regierungen fest im Griff. Das EU-Parlament gab heute jedoch die richtige Antwort darauf und setzte einen soliden Zwischenschritt in Richtung Finanztransaktionssteuer. Mit 529 zu 127 Stimmen, bei 18 Enthaltungen, wurde der Podimata-Bericht angenommen. Hier das Abstimmungsverhalten der einzelnen EU-Abgeordneten (Seite 10 bis 21). E-Mail-Kampagnen von Organisationen wie ÖGB und Arbeiterkammer zeigten Wirkung und müssen fortgesetzt werden.


Aber auch die Gegner machen mobil. Die rechts-nationalen wie Andreas Mölzer und Co. fürchten um die Steuerhoheit der Nationalstaaten. EU-Gegner wie der UKIP-Brite Nigel Farage um den Finanzplatz London. Andere Liberale und Konservative meine, dass eine Finanztransaktionssteuer nur global funktionieren kann. Die Forderung nach einer europaweiten Einführung wurde trotzdem mit 360 zu 299 Stimmen angenommen. Das Scheinargument der Gegner hat im EU-Parlament keine Mehrheit. Zu Recht. Wir haben erfolgreiche Transaktionssteuern auf nationaler Ebene in unterschiedlichen Teilmärkten. Die Frage, ob eine solche europaweit funktionieren könnte, stellt sich nicht. Die EU kann sich beweisen, indem sie mit Vorbildwirkung voranschreitet.


Eine Finanztransaktionssteuer soll dabei nicht nur ein Anreiz für den Finanzsektor für langfristige Investitionen mit Mehrwert für die Realwirtschaft sein, sondern muss darüber hinaus zu einer Verlagerung der Steuerlast weg von sozial benachteiligten Bürgern führen. Daher braucht es mehr Mut bei der Höhe des Steuersatzes. Ein Steuersatz von bis zu 0,5 Prozent muss das Ziel sein. Bereits mit einem Steuersatz von 0,05 % könnten jährlich rund 200 Milliarden Euro in der EU und weltweit 650 Milliarden Dollar eingenommen werden. Zum Vergleich: Der jährliche Schaden durch Steuerbetrug und Steuerhinterziehung in Europa wird auf 200 bis 250 Milliarden Euro geschätzt.


Ö1-Morgenjournal: “Spekulation im Alleingang besteuern”, 7. März 2011.
Wirtschaftsblatt: EU-Parlament wünscht sich eine Transaktionssteuer, 8. März 2011.
Wortmeldung im Plenum des Europäischen Parlaments, 7. März 2011.

Parlamentsüberfall

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Zum dritten Mal innerhalb von nur zwei Jahren gab es einen Überfall im Brüssler EU-Parlament. Dieses Mal wurde im Erdgeschoss die Postfiliale überfallen. Am Freitag gegen 14.45 Uhr hatten zwei unbekannte Täter die Filiale betreten und mit vorgehaltener Waffe Geld verlangt. Eine Kundin und zwei Mitarbeiterinnen wurden von ihnen bedroht. Die Täter nahmen den Safe mit und flohen. Verletzt wurde Gott sei Dank niemand. Die Sicherheitskräfte im EU-Parlament schlossen daraufhin alle Zugänge. Sie verabsäumten es jedoch, die Parlamentsmitarbeiter darüber zu informieren, dass sich möglicherweise die bewaffneten Posträuber noch im Gebäude befinden. Das musste meine britische Kollegin Fiona Hall übernehmen.


Insgesamt 44,3 Millionen Euro Steuergeld wird jährlich in die Parlamentssicherheit investiert. Rund 900 Sicherheitskräfte bewachen das Gebäude. Insgesamt 1001 Überwachungskameras wurden in Brüssel installiert. Alles mehr als ausreichend um die Sicherheit im Hause zu gewähren. Was wir daher nach diesem Vorfall dringend vermeiden sollten, ist der Aufschrei nach mehr Geld, Personal und technische Ausrüstung. Die Wahrheit ist schlicht, dass G4S es nicht gelingt geschulte Mitarbeiter zu finden die ihren Job ernst nehmen. Es wird Zeit, dass ein anderes Unternehmen eine Chance bekommt.


Bild.de: Überfall im EU-Parlament, 4. Februar 2011.

FinanzNachrichten.de: Postfiliale im EU-Parlament überfallen, 4. Februar 2011.

Kronen Zeitung: Raubüberfall im EU-Parlament, 6. Februar 2011.

Österreich: EU-Parlaments-Raub: Wachfirma soll weg, 6. Februar 2011.

Krone: Raubüberfall im EU-Parlament

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Statt Briefmarken gab`s einen Blick in den Lauf einer Pistole. Gleich zwei bewaffnete Täter stürmten in das Postamt innerhalb des EU-Parlaments. “Hier arbeiten rund 900 Personen für den Sicherheitsservice. Tortzdem kam es in Brüssel im Vorjahr zu 105 Diebstählen” ärgert sich Martin Ehrenhauser.


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