(E)U-Boot

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Mangelnde Transparenz kann man dem britischen EU-Abgeordneten Giles Chichester kaum vorwerfen, zumindest nicht in Bezug auf seine 2007 abgegebene Deklaration der finanziellen Interessen. Darin listet Chichester neben seinen Firmenbeteiligungen auch Konferenzteilnahmen und Opernbesuche auf. Eine Einladung zum Tennisturnier nach Wimbledon wird auch erwähnt. Alles auf Kosten von Firmen wie Imperial Tobacco, dem Energieriesen RWE oder der Waffenlobby-Organisation ASD, mit Mitgliedern wie BAE-Systems oder EADS.


Faksimile: Mit Ehefrau und Tabakindustrie zum Finale

Faksimile: Mit Ehefrau und Tabakindustrie zum Finale


Von 2004 bis 2007 war Giles Chichester als Vorsitzender des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie ein begehrtes Lobbyingobjekt. Auch seine Funktion als Präsident des Europäischen Energieforums (EEF) sorgte für Andrang. Die Vereinigung von EU-Abgeordneten und Großkonzernen wie BP, Siemens oder Vattenfall soll für ein “besseren Verständnis von Energie” sorgen. Corporate Europe Observatory bezeichnete sie als “U-Boot der Energieindustrie” im EU-Parlament.


Faksimile: Einladungen von Energie- und Rüstungslobby

Faksimile: Einladungen von Energie- und Rüstungslobby


Auf Einladung von AREVA, Hersteller von nahezu einem Drittel der weltweit laufenden Leichtwasser-Atomreaktoren, reiste er dann zum America’s Cup nach Valencia, dem weltweit größten Segelsportspektakel. In Chichesters jüngsten finanziellen Erklärung finden sich keine Einladungen von großen Konzernen mehr. Vielleicht weil er mit dem Verlust des Vorsitzes im Industrieausschuss an Attraktivität verloren hat. Trotzdem, Chichester war 2007 mit seinen offenen Angaben eher die Ausnahme als die Regel.


Faksimile: Mit der Atomlobby zum America's Cup

Faksimile: Mit der Atomlobby zum America's Cup


Fakisimile: Temelin-Besuch mit zwei Gratis Nächten in Prag

Fakisimile: Temelin-Besuch mit zwei Gratis Nächten in Prag


6 Comments

  1. sophie1
    Posted 15 October 2009 , | Permalink

    die frage ist: kann man unverschämt und vorbildlich zugleich sein? chichester hat es in meinen augen geschafft. wenn seine wähler ihm es nicht übel nehmen, von wem er sich seine privatvergnügen finanzieren lässt, ist so eine “transparente korruption” wohl ok, oder?

  2. tom.v
    Posted 15 October 2009 , | Permalink

    Gegen einen Besuch von Temelin inkl. zwei Gratis Nächten in Prag hätte ich auch nichts einzuwenden. Hotelzimmer sollte standesgemäß sein. Hoffentlich laden sie auch Temelingegner ein.

  3. Wo steckt Schüssel?
    Posted 15 October 2009 , | Permalink

    Tolle Insidestory… Wird getweetet ;-)

  4. Posted 16 October 2009 , | Permalink

    Und wie sieht das rechtlich aus? Solange er’s deklariert ist alles ok? Oder gibt es da auch so was wie unerlaubte Geschenkannahme / “Anfütterung” ?

  5. Helga Rabl-Stadler
    Posted 18 October 2009 , | Permalink

    Aber bitte nicht die Salzburger Festspiele kriminalisieren. Ohne Anfütterung würden viele Events ihre Tickets nur mehr um die Hälfte des Preises verkaufen können… Politiker zahlen sich solche teuren Eintrittkarten doch nicht selber von ihrem Hungerlohn!

  6. W.Woess
    Posted 6 November 2009 , | Permalink

    Das ist der missratene Sohn von Sir Francis Chichester, der die Welt allein in einem Segelboot (”einhand”) umsegelte, hatte anscheinend keine Zeit, seinem Sohn Moral beizubringen…Woess

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