Trüffelgate

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Der bayrische EU-Kommissionsbeamte Fritz-Harald Wenig feiert einen Sieg. Im Frühjahr 2008 speiste er noch auf Einladung von zwei britischen Lobbyisten im Luxus-Trüffel-Restaurant La Truffe Noire. Deren chinesischer Klient wolle in seiner Heimat einen 100-Millionen-Liefervertrag mit einem Kerzenhersteller abschließen, dafür benötigen sie Informationen im Bezug auf Strafzölle, so die Begründung der Briten. Wenig wurde dafür ein Job mit 600.000 Euro Jahresgage oder sofort 100.000 Euro in bar geboten.


Der EU-Beamte übermittelte die Informationen. Doch dumm gelaufen, die Lobbyisten waren Journalisten der Sunday Times. Brüssel reagierte wie Brüssel eben reagiert. Wenig befände sich auf “Jahresurlaub”, es gelte “die Unschuldsvermutung”, betonte sofort ein Sprecher der EU-Kommission. Stephen Hutchins, der Leiter der Sicherheitsabteilung der EU-Kommission, setzte noch eins drauf: “Die neuen Fälle zeigen, dass die gegen die Kommission gerichtete Spionagegefahr Tag für Tag zunimmt”, alarmierte er in einem internen Schreiben im Dezember 2008 seine Kollegen.


Nun feiert Wenig seine Erlösung, aufgrund von Formalfehlern. Das European Civil Service Tribunal hat seine sechsmonatige Suspendierung mit der Begründung gestürzt, dass diese nur von Korruptionskommissar Siim Kallas vorgenommen wurde und nicht wie formal korrekt von allen Kommissaren, schreibt die Brüssler Zeitung European Voice. Doch das ist noch nicht alles, die Kommission muss Fritz-Harald Wenig einen Teil des zurückbehaltenen Gehalts ausbezahlen. Verkehrte Welt.

8 Antworten

  1. Sonntagsleser
    Posted 6 December 2009 , | Permalink

    Lieber Mag. Ehrenhauser!

    Ihre Enthüllungen via “Heute” und Österreich” sind zwar nicht ganz mein Geschmack, denn da geht es doch nur um eine Kleinigkeit im Gegensatz zu den Milliarden an faulen EU-Förderungen und Korruption.

    Eigentlich habe ich mir immer gedacht, Politiker und Beamte muss man gut bezahlen, dann werden sie wenigsten nicht korrupt und vertreten unsere Interessen und nicht jene des größten Spenders. Mir stößt nun aber wirklich auf, wenn ich hier lese, dass manche
    hochbezahlte EU-Beamte derart gierig werden und diese Maßlosigkeit von der EU dann auch noch toleriert wird.

    Da geht es doch um den gleichen Schlag Menschen wie bei den Investmentbankern und ihrem kurzfristigen Bonusstreben oder eben die Werte die ein KHG als Homepagebetreiber, Minister und Meinl-Banker verkörpert hat. Wie kann man solche Leute zu anderen Werten erziehen oder zumindest die nächsten Generationen von Beamten, Politikern und Investmentbankern?

    Könnte man nicht wieder ein monarchieartiges Titelsystem für besonders integre Personen einführer und massenhaft Orden vergeben an Politiker die ihre Wahlversprechen einhalten, Banker die sich mit 200.000 Euro Jahresgehalt zufrieden geben und langfristig denken, zuverlässige “Staatsdiener” die sich nicht korrumpieren lassen. Vielleicht ist ein Belohnungssystem effektiver als ein Bestrafungssystem, obwohl ich es schon ok finde wenn Leute wie Wenig oder KHG zumindest vor den medialen Pranger gestellt werden, wenn sie schon nicht gerichtlich bestraft werden.

    Mit den besten Wünschen nach Strassburg/Brüssel, ein Sonntagsleser

  2. sophie
    Posted 6 December 2009 , | Permalink

    @”obwohl ich es schon ok finde wenn Leute wie Wenig oder KHG zumindest vor den medialen Pranger gestellt werden, wenn sie schon nicht gerichtlich bestraft werden”

    dann müssen sie das unbedingt sehen: ;-)

    http://www.youtube.com/watch?v=95Y-ezDYs7A

    Wiener Lied “Wann geht der Karl-Heinz endlich ins Häfn” von Christoph und Lollo

  3. H.P. Wagner
    Posted 6 December 2009 , | Permalink

    Bei Wenig haben die Journalisten wohl genau gewusst, dass er auf das Angebot eingeht! Ich verstehe nicht, warum die Geschichte nicht zumindest in der Times und in Deutschland mehr Staub aufgewirbelt hat. Ein unabhängiges Verfahren, bei dem seine gesamten “Nebenverdienste” zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Beamter aufgedeckt werden, wäre zu interessant geworden. Der Herr Wenig geht wohl nach seiner Pensionierung unter die Gründer eines Beratungsunternehmens…

  4. Susanne R.
    Posted 6 December 2009 , | Permalink

    @H.P. Wagner: Soweit ich weiß, war Wenig damals 62 Jahre alt und er ist seit Mai 2009 nun in Pension.

  5. Roman Berger
    Posted 6 December 2009 , | Permalink

    Danke für diesen Bericht – ich habe davon in den österreichischen Medien wieder mal nichts darüber gehört. Die Beeinflussung durch Lobbyisten ist ja leider kein Einzelfall sondern sicher nur die Spitze eines riesigen Eisberges an Korruption und Beeinflussung. Bitte Hr. Ehrenhauser bleiben Sie an diesen Fällen dran und berichten Sie weiter darüber. Die “Nehmer” dürfen sich ebenso wenig sicher fühlen wie die “Geber”.

  6. Martin Ehrenhauser
    Posted 6 December 2009 , | Permalink

    @Sonntagsleser:
    Ja, eine große Verantwortung trägt die Kulturpolitik. Hier besteht die Möglichkeit Werte zu fördern und Erfolg neu zu definieren. Sei es über Theater, Film, Kunst, Auszeichnungen etc. Ein gewisses Umdenken findet bereits statt. Die Krise gab dafür einen Denkanstoß. Bescheidenheit sollten wir alle daraus lernen. Es ist noch nicht lange her, da wurde Erfolg mit Einkommen und Gewinn gleichgesetzt, ohne die Art und Weise der Entstehung oder den Mehrwert für die Gesellschaft zu hinterfragen. Hier sind wir ein kleines Stück weiter, das zeigt auch der Wahlerfolg der Liste Martin. Wir verzichten z.B. mit unserem Ehrenkodex auf viele Privilegien, das haben die Menschen honoriert. Einkommen und wirtschaftlicher Erfolg müssen sich stärker am Nutzen für die Gemeinschaft orientieren.

  7. Martin Ehrenhauser
    Posted 6 December 2009 , | Permalink

    @Roman Berger:
    Im Herbst 2008, als der Fall von den beiden britischen Journalisten an die Öffentlichkeit gebracht wurde, gab es durchaus einige Meldungen in Deutschland. In Österreich berichtete Hans-Peter Martin. Auch die Europafalle widment sich auf zwei Seiten diesem Fall.

  8. Roman Berger
    Posted 7 December 2009 , | Permalink

    @Martin Ehrenhauser
    Da sieht man, wie leicht wichtige Informationen überlesen werden. Deshalb war es gut, daß Sie wieder darauf aufmerksam gemacht haben. Von der Europafalle habe ich schon gehört. Danke für die Erinnerung, das Buch werde ich mir von meiner Tochter zu Weihnachten schenken lassen.

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