Politikbetriebsblase

2

Rund 44.000 “direkt” gewählte Politiker existieren in Österreich. Anders ausgedrückt: Je ein Politiker für 191 Bürger. In Deutschland ist die Anzahl der Politiker im Verhältnis zur Bevölkerungsanzahl deutlich geringer. Dort entfallen bereits 284 Bürger auf jeden einzelnen Politiker. Bundesweit ergibt das eine Gesamtzahl von rund 289.000 gewählten Volksvertretern. Zählt man die Minister, deren Sonderberater, Lobbyisten, Parteimitarbeiter, Politikjournalisten etc. hinzu, dann umfasst der österreichische Politikbetrieb rund 61.000 Personen. In Deutschland sind es ungefähr 480.000. Hochgerechnet ergibt das in den 27 EU-Mitgliedsstaaten mehr als 3 Millionen Personen – exklusive Beamte. Siehe Tabelle.(Quelle: Hans-Peter Martin: Die Europafalle, Piper Verlag, München 2009)


Nicht zuletzt in Zeiten der Grasser-Meischberger-Plech-Hochegger-Connection und Haider-Konten muss sich jeder Bürger die radikale Reduktion des heillos aufgeblasenen Politikbetriebs wünschen. Zu Recht. Denn der Politikapparat ist nicht nur undurchsichtig, sondern auch viel zu teuer und kontraproduktiv. Oftmals arbeiten seine Mitglieder lediglich daran, ihre Existenzberechtigung durch Belanglosigkeiten unter Beweis zu stellen. Das Diktum “Demokratie hat ihren Preis” dient dabei als Schutzbehauptung.


Eine Halbierung des Politikbetriebs wäre ohne Demokratie- und Qualitätsverlust bei der Verwaltungsleistung jedoch leicht möglich. Bei Personalkürzungen müsste jedenfalls Beweislastumkehr gelten: Behörden müssen den Nachweis erbringen, dass ihnen die Erfüllung der Aufgaben mit halben Budget nach einer Übergangsfrist nicht möglich ist. Mehr Effizienz benötigt auch den reibungslosen Wechsel der Verwaltungselite, ähnlich wie in den Vereinigten Staaten von Amerika. Bei einem Präsidenten- oder Gouverneurswechsel können in den USA tausende Spitzenjobs neu besetzt werden, ohne dass die ausscheidenden Mitarbeiter dem Steuerzahler als abgeschobene Beamte zur Last fallen.

2 Antworten

  1. Posted 10 August 2010 , | Permalink

    “Eine Halbierung des Politikbetriebs wäre ohne Demokratie- und Qualitätsverlust bei der Verwaltungsleistung jedoch leicht möglich.”

    basierend auf welchen fakten?

  2. Martin Ehrenhauser
    Posted 10 August 2010 , | Permalink

    Wie bereits auf Facebook geantwortete: Der Aufbau der öffentlichen Verwaltung orientiert sich seit jeher an einer überwiegend juristischen Sichtweise der Aufgabenerledigung. Ergebnisorientiertes Arbeiten in der Verwaltung – vor allem im Führungs- und Finanzmanagement – ist in weiten Bereichen noch immer nicht vorhanden. Das bestätigte sich in meiner mehrjährigen Tätigkeit im Alltag des Politikbetriebs fast täglich. Die daraus resultierenden Finanzprobleme der öffentlichen Verwaltung wurden aufgrund von geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu strukturellen Problemen. Eine radikale Reform ist also notwendig. Nachdem ich auch jahrlang in der Privatwirtschaft gearbeitet habe und vor allem als Koch sehr effizient arbeiten musste, konnte ich viele Arbeitsabläufe, Entscheidungsstrukturen und Tätigkeiten in zwei verschiedenen Welten kennenlernen. Um dabei Einsparungspotenzial im Politikbetrieb zu erkennen und in einem Blogbeitrag anzudeuten, reichen meine eigene Vernunft und mein Hausverstand. Für alles darüber hinaus ist mehr notwendig.

Hinterlasse einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nie weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert *

*
*
 

Sie müssen Sich einloggen um abzustimmen

Sie müssen eingeloggt sein um abzustimmen.

Wenn Sie noch keinen Zugang haben können Sie hier einen erstellen.