Die Finanzkrise bewies schwarzen Humor als ÖVP-Finanzminister Josef Pröll heute im ZDF-Morgenjournal als der große Vorkämpfer für die langjährige Attac-Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer hochstilisiert wurde. Der humoristische Ausflug endete jedoch prompt, als der Vizekanzler den Charakter der Krise auf den Punkt brachte. Es ist eine “Schuldenkrise”. Unweigerlich tauchte wieder die Frage auf, warum die Ackermann-Marionetten in der Politik nicht endlich fundamental über unser Geldsystem diskutieren?
Zum Beispiel über den Kreditvergabezwang der Banken. Die leichtfertige Kreditvergabe gilt als Auslöser jener Immobilienkrise, die das System erstmals ins Wanken brachte. Doch bis zu den Ursachen drang die Debatte nie vor. Nämlich dass Banken Kredite vergeben müssen, um die Zinsgeldforderungen der Sparguthaben erfüllen zu können. Solange die Kreditvergabe höher ist als die anschwellenden Forderungen, ist dies kein Problem. Bei zunehmender Marktsättigung nimmt die Nachfrage von Krediten jedoch ab und der Druck auf die Banken steigt. In der Not werden dann plötzlich ohne Sicherheiten Kredite verscherbelt.
Grundlegende Probleme wie diese lassen sich vielfach auflisten. Perfide Systemkonstellationen, die durch das Stopfen von schwarzen Löchern mit Milliarden zu Lasten der Staatshaushalte nicht gelöst werden können. Was wir daher dringend brauchen würden, ist eine fundamentale Debatte über Fragen des Geldsystems. Was können wir gegen den Kreditvergabezwang der Banken unternehmen? Wie bekommen wir den Wachstumszwang aus unserem System? Sollen wir Zinsen abschaffen? Eine solche Debatte soll das derzeitige Geldsystem von innen heraus erneuern. Eine starke und unabhängige Politik könnte dies auch erreichen.







4 Antworten
Warum wird das Thema Geld denn wirklich nicht besprochen? Ist es ein zu komplexes Thema, um verbessert/verändert/erneuert zu werden? Ideen und Theorien gäbe es ja schon zur Genüge – sind diese alle irrealistisch und unverwirklichbar?
Berechtigte Frage Hr. Ehrenhauser. Bevor das bestehende System aber nicht total zusammen bricht und wir gewaltsam in die “Steinzeit” zurück geworfen werden, werden sich die “Eliten” des Finanzwesens und der Politk dieser Frage leider niemals annehmen. Denn die Antwort wäre eine totale Reform unserer Auffassung von Wohlstand. Dann müsste man sich von der Fixierung auf ein wachsendes BIP und materiellem Wachstum lösen und sich mit geistigem Wachstum und der Frage des Befindens auseinander setzen. Das wäre zwar der richtige Schritt – der aber so radikal ist, dass nicht nur die Eliten davor Angst haben. Nicht zuletzt bin ich deshalb diesbezüglich sehr pessimistisch. Aber lösen Sie doch eine diesbezügliche öffentliche Debatte darüber aus!
Der Wachstumszwang muss zu allererst als das bezeichnet werden, was er ist: Schuldenwachstumszwang!Dann klingt das gar nicht mehr so positiv. Langsam sollte es auffallen, dass wir uns im bestehenden System zur Tilgung von Schulden verschulden müssen. Nicht die Finanzmärkte brauchen Unabhängigkeit, sondern die Politik muss sich vom Gängelband der Finanzmärkte befreien.
It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning.
Henry Ford