Als die Investmentbank Lehmann Brothers Pleite ging, verloren 25.000 Menschen ihre Arbeit und der weltweite Bankensektor wurde an die Grenze des Machbaren getrieben. Wer wurde zur Verantwortung gezogen? Bankiers, Bankenaufsicht, Politiker? Jedenfalls nicht John Llewellyn. Der damalige Senior Economic Policy Advisor and Managing Director von Lehman Brothers berät nun EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in volkswirtschaftlichen Fragen – als externer Berater im “Bureau of European Policy Advisors” (BEPA).
Der Portugiese Barroso hält sich zusätzlich zu seinem Kabinett dieses intransparente, exklusive Gremium. Die genauen Sitzungsteilnehmer sind oft nicht bekannt. Das BEPA wendet bei Bedarf ad hoc die so genannte “Chatham House Rule” an, die den Teilnehmern Anonymität zusichert. Das Beratungsgremium boomt. Allein die Kosten für die BEPA-Verwaltungsmitarbeiter lagen bei mehr als vier Millionen Euro im Jahr 2009, wie aus einer parlamentarischen Anfrage hervorgeht. Gegenüber 2004 ergibt das eine Personalkostenexplosion von beinahe 50 Prozent. Erwähnt sei jedoch, dass die externen Berater nur Anspruch auf Spesenersatz haben. Doch dass hoch bezahlte Manager nur für Kostenersatz Gemeinschaftsberatung betreiben ist mir neu. Eine Win-Situation ergibt sich doch nur, wenn aus der neutralen Beratung gezielte Einflussnahme wird.
À propos Lobbying. Der als EU-Abgeordnete getarnte Lobbyist Ernst Strasser ist nun neuer Vorsitzender des “Club du Bois.” Sein Ziel ist somit die Einflussnahme auf EU-Entscheidungsträger im Sinne der Holz- und Möbelindustrie. Er vertritt damit die Interessen Europas größter Waldbesitzer und Holzverarbeiter – wie zum Beispiel dem Prinzen von und zu Liechtenstein oder der Mayr-Melnhof Dynastie in Österreich. In dieser Funktion lädt er am 16. April alle EU-Abgeordneten und ihre Assistenten zu einer Veranstaltung im EU-Parlament ein, “eine Möglichkeit um direkte Gespräche mit Vertretern der Industrie zu führen.” Für alle Teilnehmer geht es danach zum Abendessen ins “Chez Yvonne.” Ob Ernst Strasser für diese Tätigkeit Geld verdient? Anfragen dazu bitte direkt an ernst.strasser@europarl.europa.eu.







4 Antworten
Scheint, als ob man sich in gewissen Kreisen einer neuen Form des Imperialismus – des „Monetären Imperialismus“ zuwendet. Man braucht keine Länder zu erobern um sie auszurauben. Jetzt holt man einfach Lobbyisten und erfindet „Investments“ um sich ungestraft und fast ohne Einschränkung an den von den Bürgern geschaffenen Wertschöpfungen in Form deren Finanzmitteln und Erspartem zu bedienen. Denn auf nichts anderes wird es hinaus laufen. Sieht denn niemand von den Verantwortlichen die deutlichen Zeichen an der Wand? Anstatt jetzt schnell den (politischen) Kurs radikal zu ändern, reizt man das System bis zum Absturz. Der Absturz der Maschine mit den polnischen Politikern ist auf einer anderen Ebene – aber nach gleichem Schema abgelaufen. Auch hier hat man mehrmals aufgefordert, den Kurs zu ändern. Trotz aller Warnungen hat ein (oder mehrere Einzelne) Politiker beschlossen, den Crashkurs weiter zu verfolgen um ein (kurzfristiges, von Einzelnen gewünschtes) Ziel zu erreichen. Das schreckliche Ergebnis kennen wir. Der Crash hat neben den Verantwortlichen, auch vielen Unschuldigen die Existenz gekostet. Die Weltwirtschaft steuert ebenso auf einem Crashkurs. In der polnischen Maschine hätte man einige mutige Menschen gebraucht, um den Kurs in eine andere Richtung zu beeinflussen.
Hr. Ehrenhauser – wir brauchen mehr Politiker wie Sie, die den derzeitigen politischen Kurs (und die Praktiken) kritisieren und in eine andere Richtung steuern. Bitte informieren Sie uns Passagiere weiterhin so offen, damit wir gemeinsam den Kapitän und die Offiziere (die Politiker mit Einfluss) doch noch überzeugen können, den Kurs zu ändern bevor wir alle im Crash enden.
schon wieder der strasser! für was lobbyiert der eigentlich nicht?
ad Sophie
Er betreibt wohl kein Lobbying für strengere Korruptionsgesetze etc.
Mir ist zu Ohren gekommen, dass er auch für NOVOMATIC in Osteuropa unterwegs ist. Stimmt das?