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EU-Datencrash: Ehrenhauser wurde Liste der gehackten EU-Abgeordneten-E-Mails zugespielt

Utl.: 3.386-seitige E-Mail-Liste an Ehrenhauser übermittelt / Personenkreis der Betroffenen weitaus umfangreicher als angenommen/ rund 40.000 E-Mails befinden sich auf der Liste / unterschiedliche EU-Instituionen, Verbände, deutsche und österreichische EU-Abgeordnete betroffen / großer Lobbyskandal deutet sich an

Gestern meldete die französische Nachrichtenseite „Mediapart“, dass es einem Hacker gelungen sei, ins Netzwerk des EU-Parlaments einzudringen. Unter anderem sollen vertrauliche E-Mails und persönliche Dokumente gehackt worden sein. Laut „Mediapart“ wurde in das E-Mail-Konto von sechs EU-Abgeordneten, vier Assistenen, zwei Fraktionsmitarbeitern und zwei Parlamentsmitarbeitern der IT-Abteilung eingetrungen.

Nun wurde dem fraktionsfreien EU-Abgeordneten Martin Ehrenhauser auf einem USB-Stick eine 3.386-seitige Liste zugespielt, in der Betreffzeile, Datum, Absender, Empfänger sowie die Beschriftung der Anhänge von rund 40.000 E-Mails ausgewiesen werden. Die angeführten E-Mails stammen großteils aus diesem Jahr und reichen bis November 2013. Ehrenhauser vermutet, dass es sich um jene E-Mails handelt, die „Mediapart“ in ihrem Beitrag erwähnte.

„Aus der Liste wird ersichtlich, dass der Parlaments-Hack wahrscheinlich weitaus umfangreicher ist als angenommen“, so Martin Ehrenhauser. Denn auf der Liste befinden sich E-Mails des EU-Parlaments, des deutschen Bundestages, der EU-Kommission, von Parteien und Lobbyverbänden. Auch deutsche und österreichische EU-Abgeordnete sind vom Datencrash betroffen. Ebenso scheinen E-Mails auf von mindestens einem EU-Kommissar und Catherine Ashton, die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik. Auch Ehrenhauser selbst wird unzählige Male als Empfänger von Sammel-E-Mails des Haushaltskontrollausschusses angeführt.

Die Themenpalette reicht unter anderem von Backloading, EU-Beamtenstatut, Reiseinformationen, Saatgut, Geburtstagsglückwünsche bis hin zur E-Zigarette. Auch eine E-Mail datiert mit 13. November mit der Betreffzeile „Aktuelles zu den Koalitionsverhandlungen“ ist darin enthalten.

In den Anhängen befinden sich unter anderem vertrauliche Diskussionspapiere von Lobbyorganisationen, Protokolle über die Kandidatenauswahl für politische Ämter, Einladungen zu Championsleaguespielen oder Aufforderungen zum Abstimmungsverhalten von Lobbyisten.

„Aufgrund dieser Metadaten ist es durchaus möglich, dass – sofern E-Mails veröffenticht werden – sich ein großer Lobbyskandal ausbricht. Vor allem die Verbindungen zwischen konservativen EU-Abgeordneten und Lobbyverbänden ist auffällig“, so Ehrenhauser.

„Auf Basis der vorliegenden Informationen ist anzunehmen, dass der Hacker einen Wireless Access Point errichtet hat, in den sich Personen mit Ihren Endgeräten eingelockt haben“, vermutet Ehrenhauser. „Seit Jahren wird auf Lücken der Kommunikationsinfrastruktur hingewiesen. Im Zuge des Entlastungsverfahren des EU-Parlaments werde ich Druck auf die Parlamentsverwaltung ausüben, damit die Lücken endlich geschlossen werden“, so Ehrenhauser abschließend.

Zum Nachlesen:

Spiegel.de: Mutmaßlicher Dateneinbruch: E-Mail-Liste verrät Verbindungen von EU-Parlamentariern; 22. November 2013.

Spiegel.de: Sicherheitslücken im Europaparlament: E-Mail-Konten von EU-Abgeordneten offenbar gehackt; 22. November 2013.

Süddeutsche.de: Hacker erbeutet 40.000 E-Mails von EU-Parlamentariern; 23. November 2013.

Futurezone.at: Liste gehackter E-Mails von EU-Parlamentariern aufgetaucht; 23. November 2013.

Kronen Zeitung: 100 EU-Abgeordnete gehackt: Österreicher unter den Opfern!; 24. November 2013.

Kronen Zeitung: EU-Parlaments-Hack deckt jetzt Lobbyaffäre auf; 23. November 2013.

Kronen Zeitung:EU-Parlament hacken ist ein „Kinderspiel“; 22. November 2013.
Kronen Zeitung: So trickste EU-Hacker alle aus; 26. November 2013.

Heute: Mail geknackt: Hacker greifen EU-Parlament an; 22. November 2013.