Tag-Archiv für: Ruebig

ERMG: Brief von Rübig an Abgeordnete

0

Paul Rübig (ÖVP) und Karl-Heinz Florenz (CDU) geben die von Lobbyisten registrierte und bezahlte Internetadresse ERMG.EU auf einem handschrifltich unterzeichneten Brief für Rückfragen und zur Anmeldung der Auftaktveranstaltung an.


Brief der European Raw Materials Group an EU-Abgeordnete vom Juni 2010

Whois Records ERMG.EU, Eurid, abgefragt am 1. Juli 2011

Report von Corporate Europe Obervatory vom 27. Juni 2011

Dokumente zum Fall Rübig – Teil 1

1

Alle Dokumente und weitere Hintergründe zu Paul Rübigs Netzwerk an Firmenbeteiligungen, Änderungsanträgen für Industrielobbys und politischen Aktivitäten im Iran finden Sie hier als PDF:


Visualisierung Firmennetzwerk Dr. Paul Rübig
PROBIG Kundenreferenzen aus der Energiewirtschaft und Automobilindustrie
Mitgliederunternehmen beim European Energy Forum (Vizepräsident Rübig)
Erklärung finanzieller Interessen gegenüber dem Europäischen Parlament, Stand: 19. Jänner 2011

Änderungsantrag Energiewirtschaft vom 14. September 2010


Änderungsanträge CO2 Emissionen vom 12. Mai 2010

Erstes Positionspapier der Automobillobby ACEA zum Vorhaben der Kommission vom 13. Juli 2007

Greenpeace Report über Lobbying von ACEA und Daimler im EU Gesetzgebungsprozess (2008)

European Voice über Ziel der Autolobby ACEA von 160g/km vom 16. Dezember 2010


Wortprotokoll Debatte zum Iran vom 19. Jänner 2010

OTS Rübig tritt für intensivere Beziehungen zum Iran ein 29. Jänner 2004

Presseaussendung EVP Delegation im Iran vom 30. Jänner 2004

Weiterer ÖVP-Lobbying-Skandal

4

Die Sensibilität für Interessenskonflikte fehlt scheinbar besonders bei den Wirtschafts- und Industriepolitikern der ÖVP. Gemeinsam mit dem Nachrichtenmagazin „Profil“ deckten wir auf, wie der unauffällige Europaparlamentarier Paul Rübig Änderungsanträge einbringt, die teilweise Plagiate der Forderungen von Energiewirtschaft, Automobil- und Luftfahrtindustrie sind. Besonders pikant dabei: Ein von Rübig gegründetes Unternehmen erhält Aufträge von Firmen, die im Öl- (u.a. BP, Esso, MOL, OMV, Total) und Automobilsektor (Daimler) tätig sind und von seinen Vorschlägen für Gesetzesänderungen besonders profitieren. Darüber hinaus bezahlt neben der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer auch der Interessensverband “Österreichs Energie” Mitarbeiter in Rübigs Parlamentsbüro. Eine Mangel an Transparenz und die Vermengung von Lobbyinteressen mit politischer Arbeit ist offensichtlich.


Zum Vergrößern Bild anklicken.

Zum Vergrößern Bild anklicken.


Extrempositionen für die Automobilindustrie
Bei der Regulierung der zulässigen CO2 Emissionen für Kraftfahrzeuge im Jahr 2010 nahm Rübig eine besonders extreme Position im Sinne der Industrie ein. So forderte er in einem Änderungsantrag – deckungsgleich mit dem Interessensverband der Automobilindustrie – Strafen bei Überschreitung der Höchstgrenzen erst mit einem Jahr Verspätung umzusetzen. Zudem versuchte er (zum Teil mit Erfolg) die angepeilten Emissionslimits wie von der Industrielobby ACEA gewünscht von ursprünglich 135g/km auf 160g/km zu erhöhen. Als Kompromiss wurde dieser Wert schließlich trotz heftiger Kritik von Umweltorganisationen auf 147g/km festgesetzt.



Zum Vergrößern Bild anklicken.

Zum Vergrößern Bild anklicken.



Zum Vergrößern Bild anklicken.

Zum Vergrößern Bild anklicken.



Firmennetzwerk reicht bis in den Iran
Äußerst kritikwürdig ist auch die fehlende Offenlegung von Rübigs wirtschaftlichen Aktivitäten im Iran in Zusammenhang mit seinen politischen Äußerungen. Rübig ist an der Firma UNIHA GmbH beteiligt, die mit ihrem Teheraner Tochterunternehmen AronAB Co. Kraftwerke im Iran ausstattet. Doch während Abgeordnete aller Fraktionen bei einer Debatte zu Menschenrechtsverletzungen im Iran im Jänner 2010 die Repression gegen Bürger und Journalisten aufs Schärfste verurteilten, sprach sich Rübig, im Widerspruch zu eigenen Fraktionskollegen, gegen wirtschaftliche Sanktionen und „pauschale Verdächtigungen“ aus. Der mit einer Firmenbeteiligung im Iran aktive Geschäftsmann Rübig verlor in seiner Rede – im Gegensatz zu seinen Kollegen – kein einziges kritisches Wort zum iranischen Regime.


Neue Verhaltensregeln für Abgeordnete
Die Fälle in der ÖVP-Delegation offenbaren unzureichende Transparenzvorschriften. Eine Arbeitsgruppe des EU-Parlaments diskutiert derzeit einen neuen Verhaltenskodex für EU-Abgeordnete. Entscheidend ist, dass in Zukunft jede Nebentätigkeit samt Entgelt genehmigt und auch alle Firmenbeteiligungen veröffentlicht werden müssen. Wie dringend notwenig eine derartige Regelung ist, hat sich im Fall Rübig besonders deutlich gezeigt. Es muss transparent und für den Bürger nachvollziehbar sein, wenn EU-Abgeordnete mit Unternehmen in genau jenen außenpolitisch sensiblen Regionen aktiv sind, für die sie sich auch als Politiker besonders interessieren.


Alle Dokumente zu Paul Rübigs Netzwerk an Firmenbeteiligungen, Änderungsanträgen für die Industrie und politischen Aktivitäten im Iran finden Sie hier als PDF:
Dokumente zum Fall Rübig – Teil 1


Profil.at: Die seltsamen Geschäfte des ÖVP-Abgeordneten Paul Rübig, 18. Juni 2011.
Orf.at: Lobbying Vorwürfe gegen ÖVP-EU-Mandatar, 18. Juni 2011.
DerStandard.at: Enge Kontakte von EU-Mandatar Rübig mit Ölkonzernen, 18. Juni 2011.
KleineZeitung.at: EU-Mandatar Rübig wegen Lobbyismus kritisiert, 18. Juni 2011.
Kurier.at.: Die fragwürdigen Geschäfte des Paul Rübig, 18. Juni 2011.
News.at.: Nächste Affäre in der ÖVP?, 18. Juni 2011.
Kronen Zeitung: Lobby-Wirbel um EU-Abgeordneten Paul Rübig, 19. Juni 2011.
Heute: Neuer ÖVP-Lobbyisten-Skandal, und die Parteispitze mauert schon wieder, 20. Juni 2011.
DerStandard.at: NGOs kritisieren VP-EU-Parlamentarier Rübig: “Unvereinbares Naheverhältnis” zur Rohstoffindustrie, 25. Juni 2011.
Krone.at: Lobbying-verseuchte EU als Rohstoff-Bandit, 25. Juni 2011.
News.at: ÖVP-Mandatar im Visier, 25. Juni 2011.
Orf.at: „Profil“: Weitere Fragen zu Rübig-Nebengeschäften, 25. Juni 2011.
DerStandard.at: Ehrenhauser erhebt neue Vorwürfe gegen Rübig, 6. Juli 2011.
DiePresse.com: Lobbyaffäre: Vorwürfe gegen ÖVP-EU-Parlamentarier, 6. Juli 2011.

Unvereinbarkeitsgrenzen

2

Bei Ernst Strasser ging es um Geld für Änderungsanträge. Und beim ÖVP-EU-Abgeordneten Paul Rübig? Der Oberösterreicher bekommt Entgelt für seine Nebentätigkeit bei der Wirtschaftskammer (WKO). Die WKO sponsert darüber hinaus einen parlamentarischen Mitarbeiter in seinem Büro. Und, ja genau, Paul Rübig reicht Änderungsanträge ein und die Wirtschaftskammer definiert sie auf ihrer Internetseite als ihre eigenen. Eine Vorgangsweise, die im dunklen österreichischen Nationalrat auf der Tagesordnung steht. Gemessen jedoch an fortschrittlichen internationalen Standards, wird der Bereich von potenziellen Interessenskonflikten bis weit an die Grenze zur Unvereinbarkeit ausgedehnt. Doch damit nicht genug.


Rübig ist Mitglied im Energieausschuss des EU-Parlaments. „Österreichs E-Wirtschaft“, die laut Selbstbeschreibung „Brancheninteressen gegenüber Politik“ durch „aktive, präsente und schlagkräftige Lobbying-Arbeit“ vertritt, finanziert einen parlamentarischen Mitarbeiter im Büro Rübig. Darüber hinaus hat sein von ihm gegründetes Unternehmen „Probig“ auch Kunden aus der Energiewirtschaft, zum Beispiel die OMV. In seiner politischen Arbeit stellt er dann parlamentarische Anfragen in Bezug auf die negativen Auswirkung durch die umweltgerechte Gestaltung von energiebetriebenen Produkten, nimmt bei Dinner-Debatten teil, gesponsert von AREVA, dem Weltmarktführer in Nukleartechnik, und unterstützt das OMV-Projekt Nabucco. Ein solches Engagement verlangt natürlich zurückhaltenden Pragmatismus beim Thema Energiewende: Die „Politik der kleinen Schritte habe sich bewährt, „ein Sprung in die falsche Richtung könne dagegen in die Katastrophe führen, so Rübig.


Die Vermengung von Kunden- und Lobbyinteressen mit politischer Arbeit ist im Fall Rübig naheliegend. Doch damit ist er nicht alleine. „Corporate Europe Observatory“ hat die Nebentätigkeiten weiterer EU-Abgeordneten durchleuchtet. Das Ergebnis: Rund 35 Prozent haben einen Zweitjob oder zusätzliche Einnahmequellen. 14 Prozent der untersuchten Fälle haben das „Potenzial“ für einen handfesten „Interessenskonflikt“. Besonders hervorgehoben wurde dabei auch Paul Rübig. Eine Arbeitsgruppe des EU-Parlaments erarbeitet derzeit einen „Code of Conduct“ für EU-Abgeordnete. Eine Reaktion auf den Fall Strasser und Co. Wichtig wäre eine Genehmigungspflicht für Nebentätigkeiten und volle Transparenz. Sprich, die Höhe der Einkommen, die Herkunft und die dafür erbrachte Leistung müssen genau deklariert werden. Auf die Ergebnisse, die herauskommen wenn sich EU-Abgeordnete selbst regulieren, darf man gespannt sein.


 

Sie müssen Sich einloggen um abzustimmen

Sie müssen eingeloggt sein um abzustimmen.

Wenn Sie noch keinen Zugang haben können Sie hier einen erstellen.