Tag-Archiv für: Reformvertrag

Zahlloser Tiger

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Jährlich kontrolliert der Haushaltskontrollausschuss des Europäischen Parlaments im Zuge der Entlastungsverfahren die Ausführung des EU-Haushaltes. Mit großer Mehrheit verweigerte das EU-Parlament heute in Straßburg dem Rat zum zweiten Mal die Entlastung für das Haushaltsjahr 2009. Damit geht der jahrelange Machtkampf zwischen EU-Parlament und Rat in eine entscheidende Phase. Der Hintergrund: Der Rat verwehrt seit Jahren die parlamentarische und demokratische Kontrolle seines Budgets. Er verweigert die Teilnahme an Sitzungen, die Beantwortung von Fragen sowie die Übermittlung von entscheidenden Dokumenten. Er pflegt damit eine inakzeptable Intransparenz.


Der Rat versteckt sich dabei seit Jahren hinter dem Rechtsstandpunkt, dass er Teil der Entlastung der EU-Kommission ist. Das EU-Parlament hingegen vertritt mit Bezug auf Artikel 316, 317 und 319 des Vertrags von Lissabon die juristische Auffassung, dass im Entlastungsverfahren alle Organe getrennt kontrolliert werden. Bereits 2009 sorgten „Schwarze Konten“ im Rat für enormes mediales Aufsehen und verdeutlichten diese Notwendigkeit. Doch spätestens seit heute sollte klar sein, dass die jahrelangen Debatten auf politischer Ebene gescheitert sind.


Wichtig ist nun konsequent Zähne zu zeigen und das Recht der parlamentarischen Kontrolle gerichtlich einzufordern. Jetzt gilt es Nägel mit Köpfen zu machen und beim EuGH die Situation durch eine Untätigkeitsklage zu klären. Gleichzeitig muss jedoch das Entlastungsverfahren von einem zahllosen Tiger zu einem schlagkräftigen Haushaltskontrollinstrument reformiert werden. Denn klare Konsequenzen bei der Entlastungsverweigerung gibt es derzeit nicht. Wer glaubt, dass das EU-Parlament in dieser Frage Geschlossenheit zeigt, der irrt. Die Sozialdemokraten haben sich bei der entscheidenden Abstimmung enthalten und es damit einmal mehr verabsäumt den konservativ dominierten Rat die Zähne zu zeigen.


Liste Martin zu Irland-Referendum: „Ein Pyrrhussieg – EU braucht einen seriösen Grundlagenvertrag“

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Erfolgreiche österreichische EU-Kritiker, aber eben nicht EU-Gegner, fordern: „Wir brauchen etwas viel Besseres“/ Nur mit echter Gewaltenteilung und einer durchweg demokratischen transparenten Europäischen Gemeinschaft lässt sich der weitere Vormarsch der Rechtsaußen-Parteien stoppen – nicht nur in Österreich


Brüssel: Die unabhängige „Liste Martin“, die bei den jüngsten EU-Wahlen in Österreich knapp 18 Prozent der Stimmen erreichte und damit vor allem die Rechtsaußen-Parteien mit einem Programm für „Mehr Demokratie und Kontrolle“ in Schranken wies, fordert nun „einen seriösen neuen Grundlagenvertrag für die Europäische Gemeinschaft“.


Zum Ausgang des zweiten Referendums zum EU-Reformvertrag von Lissabon in Irland erklärt der Delegationsleiter der „Liste Martin“, der unabhängige österreichische EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin: „Das Ergebnis ist ein  Pyrrhussieg für die gegenwärtige EU. Das eklatante Demokratiedefizit wird nicht beseitigt, der  lähmenden EU Bürokratie und ausufernder Verschwendung bleiben Tür und Tor geöffnet. In der zentralen Frage der sinnvollen Regulierung der Finanzmärkte verhalten sich die EU Institutionen hingegen viel zu passiv.“


Martin Ehrenhauser, ebenfalls Abgeordneter  der „Liste Martin“, kritisiert, „dass mit dem Lissabon-Vertrag  weltweite Einsätze im Rahmen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik ohne Mitsprache des Europäischen Parlaments beschlossen werden können und mit der vorgesehenen Bündnispflicht die österreichische Neutralität zur Makulatur verkommt.“


Die „Liste Martin“ will mit einem  neuen Grundlagenvertrag die politisch strahlungskräftigsten Bausteine aus der Geschichte der Demokratie vereinen. Die fundamentalen Prinzipien müssten sein:


- Eine eindeutige Gewaltenteilung von Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtssprechung;
- der vorherrschende Grundsatz mit möglichst starken Regionen und einem gänzlich unabhängigen Kompetenz-Gerichtshof;
- die volle Transparenz und Sparsamkeit in der Legislative und in der Bürokratie;
- die Verankerung von bindenden Volksentscheiden und die soziale Dimension.


Buchhinweis: „Die Europafalle – Das Ende von Demokratie und Wohlstand“, von Hans-Peter Martin, Mitarbeit: Martin Ehrenhauser, Piper Verlag 2009.

derstandard.at: “Der Gusenbauer ist noch nicht vorbeigekommen”

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Im Demokratie-Zelt am Ballhausplatz werden mit Unterstützung von Hans-Peter Martin Unterschriften für eine Volksabstimmung über den EU-Vertrag gesammelt.


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