Tag-Archiv für: Demokratie

Heute: EU-Abgeordneter: “Mehr Mut, Bürger”

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“Nur eine unabhängige Bewegung aus dem Volk kann Fortschritte erzielen.” So lautet die These von Martin Ehrenhauser. Gratis-Buch “Mehr Mut, Bürger.” Bestellung per Mail an: office@ehrenhauser.at


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Die Krone: Initiativen formieren sich: “Wer nicht kämpft, der hat verloren”

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“Mehr Mut, Bürger!” 16 “Kämpfer” erzählen in dem neuen Buch von Martin Ehrenhauser ihre Geschichten.


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Die Presse: “Mut, Bürger!” – Buch von Martin Ehrenhauser

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Zivilgesellschaft, nächster Anlauf: Am Dienstag stellte Martin Ehrenhauser in Wien sein neues Buch vor. „Mehr Mut, Bürger!“ heißt das Werk, das er mit 15 weiteren Autoren erstellt hat und mit dem er sich für Reformen in Bund, Ländern, Gemeinden und auf EU-Ebene ausspricht.


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Mehr Mut, Bürger!

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Das Buch jetzt kostenlos bestellen unter: office@ehrenhauser.at Kennwort: Mehr Mut, Bürger


Immer mehr Menschen zweifeln an der Integrität und den Einflussmöglichkeiten der Politik. Bedauerlicherweise jedoch zu Recht: Denn durch ein verzinstes Schuldgeldsystem liegt die eigentliche Entscheidungsmacht über Erfolg oder Misserfolg der Politik im Einflussbereich von Geschäftsbanken. Eine starre Verflechtung zwischen Politik, Banken und Großindustrie verzögert notwendige Reformen oder macht diese gar unmöglich. Darüber hinaus ist die demokratische Legitimationskette in Europa bis auf die letzte Nuance überspannt. Parlamentarische Rechte werden zunehmend beschnitten, oder erst gar nicht eingeführt. Bürgerbeteiligung nur noch zugelassen, wenn die Meinungsumfragen das von den Politikern gewünschte Ergebnis garantieren. Hinzu kommt eine systemische Korruption, die sich in weiten Teilen der politischen Kultur breit gemacht hat und für deren Bekämpfung Mut und politischer Wille fehlt.


Dieser Zustand Europas führt verstärkt zu Unmut bei den Bürgern und äußert sich in rückläufiger W ahlbeteiligung, sinkender Mitgliederzahl bei den herkömmlichen Parteien und schlussendlich in immer mehr und radikaleren Protesten. Die Politiker beantworten die Unzufriedenheit der Bürger nicht mit Selbstreflexion und einer politischen Kehrtwende, sondern mit polizeistaatlichen Maßnahmen und Repression. Der Staat demonstriert damit Macht gegenüber dem eigentlichen Souverän und Unterwürfigkeit gegenüber wenigen Vermögenden.


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Eine solche Situation, in der die Notwendigkeit für Reformen so eklatant ist, der Wille der Bürger dafür derartig groß ist, die Politik jedoch still steht oder die Interessen von Wenigen verteidigt werden, ist eine große Chance und eine enorme Herausforderung für die Zivilgesellschaft. Also für Bürger, die abseits von Staat und Wirtschaft moralische Kritik an Politik, Finanzwirtschaft und Großunternehmen üben und mit konkreten Kampagnen, Demonstrationen, Streiks und gar mit zivilem Ungehorsam Reformdruck aufbauen.


Der ehemalige tschechische Präsident und Schriftsteller Václav Havel schrieb einmal, die Zivilgesellschaft sei die „Macht der Machtlosen.“ Das mag stimmen. Doch immer mehr Bürger suchen nach politischen und alternativen Beteiligungsmöglichkeiten. Auch, weil der Weg über die Parteien für viele Anliegen bereits unmöglich geworden ist. Und je größer der Unmut wird und je höher die Anzahl der Bürger die sich für gemeinsame politische Forderungen zusammen finden, desto größer ist die „Macht der Machtlosen“ und ihre Chance politische Entscheidungen zu beeinflussen.


Die Autoren dieses Buches haben bewiesen, dass sie als aktive Mitglieder ein wichtiger Teil der Zivilgesellschaft sind. Sie haben mit sehr unterschiedlichen Projekten gezeigt, dass man durch Engagement und Einsatz Erfolg haben kann. Ihre Beiträge sind eine Anleitung für Bürgerbeteiligung in Europa und geben weiteren Menschen hoffentlich Mut sich politisch zu engagieren. Denn nur eine neue politische Bewegung in Europa, die aus der Zivilgesellschaft herauswächst, wird den Menschen neues Vertrauen in die Politik schenken. Nur eine neue Bewegung, die abseits von menschenfeindlichen Hassparolen agiert, kann mit starkem Willen die Unabhängigkeit der Politik gegenüber den „Märkten“ und die Funktion der Bürger als Souverän zurückerobern. In diesem Sinne: Nur Mut, Bürger!


OTS: Einladung: Buchvorstellung “Mehr Mut, Bürger!” mit Herta Wessely,
Obfrau der Bürgerinitiativen-Plattform “Aktion 21 – pro Bürgerbeteiligung” und Prof. Bernd Lötsch,
Wegbereiter der Ökologiebewegung, 30.01.2012.

Die Presse: Nur Mut, Bürger: Schafft die Oligarchie der Gläubiger ab!, 14.01.2012.
Kronen Zeitung: Initiativen formen sich: “Wer nicht kämpft, der hat verloren”, 1.02.2012.
Heute: EU-Abgeordneter: “Mehr Mut, Bürger”, 2.02.2012.
Die Presse: “Mut, Bürger!”, 1.02.2012.
Wien Konkret: Buch: Mehr Mut, Bürger!, 31.01.2012.

M. Ehrenhauser zur Wahl des EP-Präsidenten: „Einen handzahmen Schulz benötigen wir nicht!“

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M. Ehrenhauser zur Wahl des EP-Präsidenten: „Einen handzahmen Schulz benötigen wir nicht!“


Straßburg (OTS) – Das Europäische Parlament hat heute mit deutlicher Mehrheit den Sozialdemokraten Martin Schulz zu seinem neuen Präsidenten gewählt. Auch der fraktionsfreie EU-Abgeordnete Martin Ehrenhauser stimmte für den Deutschen.


„Die Rechte des Europäischen Parlaments sind schwach und werden in Zeiten der Geldsystemkrise von den EU-Regierungsvertretern weiter ausgehöhlt. Wir brauchen einen Parlamentspräsidenten, der die Rechte des EU-Parlaments kraftvoll erstreitet und den Regierungsvertretern die Leviten lesen kann. Trotz vieler Vorbehalte traue ich Martin Schulz als einzigen der drei Kandidaten dies zu“, so die Begründung des fraktionsfreien EU-Abgeordneten Martin Ehrenhauser für sein Abstimmungsverhalten.


Gleichzeitig mahnt Ehrenhauser jedoch den neuen Präsidenten sich nicht von der traditionell sehr ruhigen Amtsführung seiner Vorgänger vereinnahmen zu lassen: „Einen handzahmen Schulz benötigen wir nicht!“


Die immer wieder durch Absprache erfolgte Aufteilung des Amtes zwischen den beiden größten Fraktionen des EU-Parlaments bezeichnet Ehrenhauser jedoch als „Unding, das im Widerspruch zur freien Wahl steht.“


Nur Mut, Bürger: Schafft die Oligarchie der Gläubiger ab!

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Die Krisenpolitik in Europa hat bisher versagt. Die Politik müsste ihre Unabhängigkeit gegenüber dem Finanzsektor wiederherstellen. Ein Gastkommentar von Martin Ehrenhauser für die Tageszeitung “Die Presse”.


Die Bürger Europas haben ihre Funktion als Souverän verloren. Die Krisenpolitik in Europa dient alleine den Interessen der wenigen vermögenden Gläubiger. Denn die Verluste für faule Kredite und Spekulationen zahlen die Bürger: Steuern werden erhöht, das Gesundheitssystem abgebaut, Sozialleistungen gekürzt und Infrastruktur verkauft. Die Verluste werden verstaatlicht, die Gewinne bleiben privatisiert.


Das Ergebnis dieser Politik: Die Schere zwischen Arm und Reich driftet weiter auseinander. Laut der Unternehmensberatung „Boston ConsultingGroup“ besitzt die vermögende Privatbankenkundschaft weltweit Bargeld, Aktien, Wertpapiere oder Fondsanteile im Wert von 122 Billionen Dollar und damit 20 Billionen Dollar mehr als zum Tiefpunkt der Finanzkrise, schreibt „Die Zeit“.


Auch die Arbeitslosigkeit steigt weiter, in Spanien zwischen Ende 2006 und Herbst 2011 von 8,3 Prozent auf 22,8Prozent. Hinzu kommt ein massiver Anstieg der Staatsschulden: gemessen in Prozent des Bruttoinlandprodukts innerhalb der EU zwischen 2005 und 2010 von 62,8 auf 80,3 Prozent.


Brandstifter als Feuerwehr
Getrieben wird die Gläubigerpolitik von einer engen Verflechtung zwischen Finanzindustrie und Politik – und einer EU, die ihren demokratischen Legitimationsrahmen bis zur letzten Nuance überspannt hat. Alleine im EU-Viertel füttern rund 2000 Lobbying-Organisationen auf Kapitalseite und lediglich 50 auf Arbeitnehmerseite hunderte undurchsichtige Arbeits- und Expertengruppen mit Wissen – etwa die achtköpfige „De Larosière“-Gruppe der EU-Kommission, die zur Bewältigung der Finanzkrise Ende 2008 eingerichtet wurde.


Damit wurden die Brandstifter zur Feuerwehr gemacht, denn fünf der acht Mitglieder kamen aus dem privaten Finanzsektor. Das Ergebnis wurde dann nach lediglich zweiwöchiger Beratung von der EU-Kommission als Lösung für die Finanzkrise präsentiert.


Was tun? Erstens müssen wir die Unabhängigkeit der Politik gegenüber dem Finanzsektor wiederherstellen. Die wesentliche Frage ist dabei: Wer regiert das Geld? Denn ob Sozial-, Verkehrs-, Gesundheits- oder Verteidigungspolitik, der wesentliche Erfolgsfaktor ist die Verfügbarkeit von Geld.


Damit man von einer funktionierenden Demokratie sprechen kann, ist es also notwendig, dass die Gemeinschaft die Handlungshoheit über die Entstehung des Geldes, sprich über die Geldschöpfung besitzt. Derzeit haben wir jedoch bis zu 95 Prozent privates Bankengeld. Denn Zentralbanken bringen im Wesentlichen nur noch das Bargeld in Umlauf, das, je nach Staat, fünf bis 20 Prozent der Geldmenge ausmacht. Der Rest von 80 bis 95 Prozent zirkuliert inzwischen bargeldlos und wird von den Banken in Umlauf gesetzt: per Kredit als Guthaben auf den Girokonten der Kunden. Diese Geldschöpfung durch die Banken führt zum Entzug der staatlichen Kontrolle über die Geldmenge und zwangsweise zur Übersteigerung von Konjunktur- und Börsenzyklen samt nachfolgenden Krisen sowie zur Ausweitung der Verschuldung.


Denn wenn Geld durch Kredit entsteht, kann die Rückzahlung der verzinsten Geldschuld nur durch weitere Kredite getätigt werden, so der Exportkaufmann Günther Hoppenberger in seinem Essay „Ein Geldzyklus geht zu Ende“. Ein solches System kennt nur einen Gewinner: die Gläubiger. Es ist nicht mit der Demokratie vereinbar.


Als geeigneten Lösungsvorschlag hat der Wirtschaftssoziologe Joseph Huber von der Martin-Luther-Universität in Halle das Konzept der „Monetative“ erarbeitet. Sein Vollgeldkonzept zielt darauf ab, die Giralgeldschöpfung zu beenden und Geldschöpfung in eine vierte, unabhängige staatliche Instanz zu legen, der Monetative.


Zwitterdasein der Zentralbanken
Die Zentralbanken beenden dabei ihr Zwitterdasein als teilkommerzialisierte Banken und werden wieder die oberste staatliche Geld- und Währungsinstanz. Die bisherigen Girokonten der Kunden werden aus der Bankenbilanz herausgelöst und separat als Geldkonten in eigenem Recht geführt. Das neu geschöpfte Geld wird zinslos der Regierung überlassen, die das Geld durch öffentliche Ausgaben in Umlauf bringt.


Die Geschäftsbanken könnten dabei weiter an den Finanzmärkten frei im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften agieren. Die Übersteuerung von Konjunktur und Börsenzyklen würden moderater verlaufen. Die Staaten müssten sich nicht mehr bei den Banken verschulden und die öffentlichen Haushalte kämen in den Genuss des Geldschöpfungsgewinns; in Österreich bis zu neun Milliarden Euro jährlich bei drei Prozent Wirtschaftswachstum.


Damit könnte man Staatsschulden abbauen oder europaweit mehr als den gesamten EU-Haushalt finanzieren. Der Wegfall des Geldschöpfungsgewinns für die Banken wäre zwar „erheblich“, aber nicht „existenzgefährdend“, so Professor Huber.


Bürger wieder als Souverän
Zweitens müssen wir die gerechte Verteilung des Vermögens bewirken, etwa durch Einführung einer europaweiten Finanztransaktionssteuer. Bereits mit einem Steuersatz von 0,05 Prozent könnten jährlich rund 200 Milliarden Euro in der EU eingenommen werden. Zum Vergleich: Der jährliche Schaden durch Steuerbetrug und Steuerhinterziehung wird auf 200 bis 250 Milliarden Euro geschätzt.


Neben einer Erbschafts- und Schenkungssteuer könnte eine Vermögensteuer von 0,5 Prozent auf Vermögen von über einer Million Euro pro Haushalt realistisch weitere drei Milliarden Euro jährlich alleine in Österreich ermöglichen, so die Arbeiterkammer Oberösterreich.


Drittens sollte durch eine Demokratiereform dem Bürger als Souverän wieder die Staatsgewalt übertragen werden. Dafür unabdingbar wäre der massive Ausbau direktdemokratischer Elemente sowie der Rechte der Parlamente.


Denn auch wenn das Mitentscheidungsverfahren mit dem Vertrag von Lissabon auf 72 Rechtsgrundlagen ausgeweitet wurde, gibt es bei 48 Rechtsgrundlagen weiterhin nur Anhörungsrecht und bei 22 Rechtsgrundlagen keine Einbindung des EU-Parlaments. Auch braucht es ein Initiativrecht für das Europa-Parlament, einen direkt gewählten EU-Präsidenten und eine obligatorische Bürgerinitiative.


Politischer Wille ist gefordert
Auf nationaler Ebene muss der politische Wettbewerb fair gestaltet werden. Neben der Umgestaltung einer Wahlwerbekostenregelung sollte es für alle wahlwerbenden Gruppen die gleiche Anzahl an Plakatflächen sowie gleiche Fernsehzeit für ihre Werbespots im öffentlich-rechtlichen TV geben.


Alle diese Vorschläge sind nicht neu. Um sie zu verwirklichen, braucht es politischen Willen, gesteuert und gefordert von aktiven Bürgern. Nur die Zivilgesellschaft ist in der Lage, glaubhaft moralische Kritik zu üben. Aus ihr heraus muss sich eine neue, politische Gruppierung finden, die durch ihre Unabhängigkeit gegenüber Finanzindustrie, Großkonzernen und dubiosen Spendern die notwendigen Reformen bewirken kann. Nur Mut, Bürger!



Die Presse: Nur Mut, Bürger: Schafft die Oligarchie der Gläubiger ab!, 14.01.2012.

Die Presse: Nur Mut, Bürger: Schafft die Oligarchie der Gläubiger ab!

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Die Krisenpolitik in Europa hat bisher versagt. Die Politik müsste ihre Unabhängigkeit gegenüber dem Finanzsektor wiederherstellen. Der gesamte Gastkommentar von Martin Ehrenhauser auf diepresse.com.

Verbrecherische Transparenz

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Heute wurde im Straßburger Plenum der Bericht des britischen EU-Abgeordneten Michael Cashman über den Zugang zu Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates und der EU-Kommission mit 394 zu 197 Stimmen angenommen. Damit hat sich die Mehrheit des EU-Parlaments gegen eine inakzeptable Transparenzpolitik der größten Fraktion im Hause gestellt. Gegen eine Politik, die intellektuell den Sprung vom Feudalismus ins Informationszeitalter noch nicht bewältigt hat. Gegen eine Europäischen Volkspartei (EVP), die hörig die Informationshoheit des Informationsherren verteidigt.


Für Hubert Pirker etwa, ÖVP-EU-Abgeordneter und Lobbyist a. D., geht der Bericht „viel zu weit“, denn „geht es nach Cashman, dann stehen alle Diskussion, die wir irgendwo im Rahmen unserer Entscheidungsprozesse, in politischen Gruppen, in Fraktionen, in Delegationen führen, im Netz.“ Und daher gilt für ihn: „Wäre ich Menschenhändler, wäre ich Terrorist, wäre ich ein Gegner eines erfolgreichen Europäischen Parlaments, oder wäre ich ein Gegner demokratischer Strukturen, Entscheidungsprozesse, dann würde ich für diesen Bericht von Cashman stimmen. Da ich aber weder das eine noch das andere bin, werde ich aus voller Überzeugung gegen diesen Bericht stimmen.“ Denn: „Wer diesen Bericht unterstützt, der verunmöglicht erfolgreiche politische parlamentarische Arbeit, der reduziert die Durchsetzungskraft des Europäischen Parlamentes und der hilft verbrecherischen Organisationen bei ihrer Arbeit.“


Geht es um die Transparenz bei politischen Entscheidungen, erklärt sich die EVP auch plötzlich zum obersten Datenschützer und begehrt gegen den Einfluss von Lobbyisten auf. „Sollen wir nun die Privatsphäre der Öffentlichkeit preisgeben?“, fragte etwa die deutsche Konservative Renate Sommer. Denn bei zu viel Transparenz „könnten wir doch gleich die Lobbyisten an den Tisch setzen und verhandeln lassen.“ Daher weiß Frau Sommer: „Dieser Bericht ist nicht im Sinne unserer Bürger. Er würde eine Flut an nutzlosen Informationen herbeiführen.“


Insgesamt 24 Änderungsanträge brachte die EVP ein. Ein besonderer Einsatz galt dem Zugang zu Dokumenten im Zusammenhang mit Wettbewerbsverfahren. So heißt es in Änderungsantrag 84: „Aufgrund der sensiblen Natur und der Fülle von Dokumenten, die im Rahmen von Wettbewerbsverfahren anfallen, genügt eine generelle Annahme, dass eine Veröffentlichung das geschützte Interesse konkret und tatsächlich beeinträchtigen würde.“ Und darum forderte man in Änderungsantrag 78: „Davon ausgenommen sind Entwürfe, Notizen, Informationspapiere, Protokolle von informellen Treffen oder Treffen, zu denen die Öffentlichkeit keinen Zugang hat.“


Natürlich gibt es Dokumente die Vertraulichkeit benötigen, um etwa die öffentliche Sicherheit oder die Sicherheit von einzelnen Personen nicht zu gefährden. Diese Tatsache stellt der Bericht von Michael Cashman jedoch niemals in Frage. Grundsätzlich sollte also gelten, öffentliche Daten sind öffentliches Gut und ihr freier Zugang ermöglicht viele neue Erkenntnisse, eine echte Beteiligung der Bürger am politischen Entscheidungsprozess, eine größere Legitimität der Politik, Prävention bei Interessenskonflikten, Korruption und Kriminalität und eine verantwortlichere Verwaltung. Scheinbar ist diese Ansicht Ende 2011 noch nicht durch den schwarzen Parteivorhang gedrungen. Gut, dass die Mehrheit im EU-Parlament nicht diese Auffassung vertritt.


EU-Lobbyingstudie

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Immer mehr politische Entscheidungsprozesse entwickeln sich in Richtung Postdemokratie. Direkte Bürgerbeteiligung verkommt dabei zum Marketinginstrument der Parteien – nur zugelassen um ein gewünschtes Ergebnis zu bestätigen. Grundsatzentscheidungen durch den Bürger weichen einer intransparenten Hinterzimmerpolitik. Direkte Demokratie wird verdrängt vom Einfluss finanzstarker Partikularinteressen. Politiker sorgen nicht mehr als unabhängige, starke Pfeiler für einen gerechten Ausgleich der verschiedenen Gesellschaftsinteressen, sondern verkommen immer mehr zu Abteilungsleitern von Großunternehmen. Etwa durch die Annahme von Jobangebote für die Zeit nach ihrer politischen Karriere. Dazu gibt es eine aktuelle und lesenswerte Studie der Universität Mannheim.


Professor Roland Vaubel und seine Kollegen analysierten die Werdegänge von 92 ehemaligen EU-Kommissaren, die zwischen 1981 und 2009 ihr Amt bei der Europäischen Kommission ausübten. Das Ergebnis: 39 Prozent der EU-Kommissare wurden nach ihrer Amtsausübung Lobbyist, sprich private Interessenvertreter. In einzelnen Legislaturperioden lag der Anteil sogar bei 56 Prozent. Etwa bei der Santer-Kommission, die 1999 wegen Korruptionsvorwürfen ihren Rücktritt einreichte. Als besonders anfällig erwiesen sich vor allem junge EU-Kommissare aus den Bereichen Wettbewerb, Industrie oder Binnenmarkt. Nach politischer Zugehörigkeit ergibt sich folgendes Bild: 50 Prozent der konservativen, 45 Prozent der liberalen und „lediglich“ 21 Prozent der sozialdemokratischen Ex-Kommissaren wurden nach ihrer Amtszeit Lobbyist. Generell gibt es eine Tendenz die zeigt, dass EU-Kommissare, die von linken Regierungen nominiert wurden, weniger anfällig für Jobangebote aus der Industrie und Wirtschaft sind.


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Da die Europäische Kommission eine relativ kleine und einflussreiche Institution ist, welche kaum vom Durchschnittswähler kontrolliert wird, ist sie ein attraktives Ziel für Interessensgruppen die versuchen könnten „Abstimmungen zu kaufen“, indem sie dem EU-Kommissar „einen attraktiven Job“ für die Zeit nach der Amtsperiode „anbieten“, so die Begründung der Studie, die nächstes Frühjahr im Springer Verlag erscheinen wird. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, wäre mindestens eine dreijährige Meldepflicht für neue Tätigkeiten der Ex-EU-Kommissare notwendig, noch vor Dienstantritt und mit effektiven Sanktionsmechanismen. Ganz zu schweigen von einer wirklich unabhängigen Ethik-Kommission die darüber befindet.


Die Presse: Zeit ist überreif, die Unkultur des Schweigens zu beenden

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Gastkommentar von Martin Ehrenhauser – Für einen Kulturwandel in den EU-Institutionen: Menschen, die gegen Korruption und Misswirtschaft ankämpfen, gehören geschützt. Der gesamte Artikel bei diepresse.com



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